B S H - JAHRESBERICHT 2000

BIOLOGISCHE SCHUTZGEMEINSCHAFT HUNTE WESER - EMS e. V.

Gartenweg 5, 26203 Wardenburg, Tel. (04407) 5111    Fax -6760   Mail: info@bsh-natur.de

Ein weiterer Umzug - nunmehr der Geschäftsstelle -, Einsätze auf BSH-eigenen Flächen und die Beteiligung an einem großen Umweltwettbewerb standen im Berichtsjahr obenan. Das Einsparen von Verwaltungs-, Miet- und Heizungs- kosten war Anlass für den Kauf des Bramstedt-Hauses, Gartenweg 5, in bester Ortslage Wardenburgs (gegenüber  der Post, hinter der LzO). Dieses sehr gut erhaltene 1962 errichtete Klinkergebäude verfügt auf  4 Ebenen über eine Nutzungsfläche von 400 qm. Die günstige Finanzierung erfolgte auf Kre- ditbasis unter Einbeziehung eines größeren Nachlasses eines verstorbenen Mit- glieds. Die Archive der BSH für Zeitungsberichte, Ausstellungen, Bilder und Gutachten, aber auch für die täglichen Geschäftsvorgänge mussten neben der gesamten Einrichtung aus 18 Zimmern, darunter 7 Büros mit zahlreichen Rega- len, aus der bisherigen Landesgeschäftsstelle Friedrichstraße 43 umziehen. Die Bausubstanz der alten Pastorei aus 1827 musste bezugsfertig hinterlassen wer- den. Das dauerte 5 Monate und erklärt die eingeschränkte Aktivität der Zen- trale. Alle Telekommunikationsnummern bleiben unverändert bestehen.
Die Umweltbibliothek Hundsmühlen, Achternmeerer Straße 7a, war nur in- sofern betroffen, als der gering besuchte kleine Bücher- und Umweltladen zum Gartenweg verlegt wurde und für ein Schriftenlager Platz machte. Die Aus- leihe von Büchern (ca. 23 Tsd.) und Einsichtgewährung von Gutachten (>25 Tsd.) der BSH-Umweltbibliothek läuft hier unverändert weiter. Ein Teil der Bücher ist als EU-Förderprojekt in das Internet eingegeben unter Nieders. Bibl. f. Umweltbildung u. Naturschutz - Nibu. Bewährt hat sich die Büroge- meinschaft mit dem Naturschutzverband Niedersachsen (NVN), dem Dach- verband niedersächsischer Natur- und Umweltschutzvereine.
Allerdings wechselte dessen Geschäftsführerin, Dipl.- Biol. Andrea Santori, auf eine Dezernentenstelle der Natur- und Umweltschutz-Akademie Nord- rhein-Westfalen (NUA) in Recklinghausen. Der konstruktiven von Frau Santori hat die BSH zahlreiche Initiativen zu verdanken, woran sich alle Mitar- beiterInnen gern erinnern. Das betraf auch die Vertretung im Umweltausschuß der Stadt Oldenburg. Als Nachfolgerin mit Probezeit wurde durch Vorstand und Personalvertretung aus über 100 Bewerbungen die aus Rostock stam- mende Agrarökologin, Dipl.- Ing. Nadine Kruse (26), gewählt, Probezeit: 6 Monate. Sie ist auch als fachberatendes Mitglied im Rat der Stadt Oldenburg vorgesehen.
Die Leiterin des NVN-Landesbüros in Hannover, Dr. Ulrike Christiansen, erhielt ihre Promotionsurkunde von der Universität Kiel (Diss. Thema: 'Zur Bedeutung der Stickstoffversorgung für den Sukzessionsverlauf von sandig - trockenen Ackerbrachen zu Sandmagerrasen'). Die Sachbearbeiterin für Plan- feststellungsverfahren, Brigitte Thölking, erhielt vom Vorstand eine Dankes- urkunde für ihre 15-jährige Tätigkeit bei BSH/NVN. Neben verschiedenen PraktikanntInnen waren auch ausländische Gäste bei der BSH zu Besuch, darunter 2 Ungarn, 1 Polin und 50 Letten von der Universität Daugavpils (Dy- naburg), die sich anläßlich eines Empfangs im Rathaus der Stadt Oldenburg für die Nachkriegsgeschichte der Letten in Ohmstede sehr interessierten. Die Stadt Daugavpils schickte 60 SchülerInnen (mit den besten Zeugnissen) im August nochmals nach Oldenburg, was die BSH arrangierte. Ein geschenktes Filmdokument des Regionalfernsehens soll im Lettischen Fernsehen gezeigt werden.
Im Berichtsjahr wurde mit Dipl.- Ing. Hans-Jürgen Janßen der 300. Beschäf- tigte der BSH ausgezeichnet. Damit wird deutlich, dass die Schutzgemein- schaft zu denjenigen gemeinnützigen Organisationen im Weser-Ems-Raum zählt, die sich - zum gegenseitigen Nutzen - um die Qualifizierung zahlreicher junger Menschen kümmert. Zeitgleich arbeiteten in 2000 bis zu 20 Personen mit. Das machen neben den Beiträgen und Spenden der BSH-Mitglieder auch umfangreiche Unterstützungen durch die Arbeits-, Finanz- und Justizverwaltung Oldenburg sowie Sozialhilfeeinrichtungen bei westniedersächsischen Kom- munen sowie Erträge der Umweltlotterie BINGO möglich.
Die BSH beteiligte sich an der Herausgabe und dem Vertrieb eines Standard- werks des Deutschen Naturschutzrings (DNR): Der Naturschutzhelfer, 320 S., 245 Abb., die Auflage von 10 Tsd. ist nahezu vergriffen, jedoch noch bei der BSH zum Sonderpreis (10,- DM) zu erhalten. Als Merkblätter 61-63 wurden die Themen 'Verbrennen pflanzlicher Abfälle - Brauchtumsfeuer und Auswirkungen auf Vegetation, Tiere und Gesundheit' (8 S. farb.), 'Wallheck- en', 'Nistkästen - Sinnvoller Vogel- und Fledermausschutz in altholzarmer Landschaft' (mit 10 Bauanleitungen), Ökoporträt 30: 'Die Kreuzotter - Nicht gefährlich, aber gefährdet' zu je 4 S. in einer Gesamtauflage von 34 Tsd. her- ausgegeben. Die Abgabe in Klassensätzen erfolgt zum stark ermäßigten Selbstkostenpreis.
Wie schon in den vorigen Jahren, so konnten auch diesjährig etwa 1000 neue Bücher beschafft und 1600 neue Gutachten und Planvermerke inventarisiert werden. Sie stehen für Ausleihe bzw. Einsichtnahme in der BSH-Umweltbi- bliothek Hundsmühlen zur Verfügung.
Im Jahre 2000 wurden neben den regelmäßigen Treffen von Arbeitskreisen, Orts- und Kreisgruppen 44 zentrale Veranstaltungen durchgeführt. Einige Themen waren 'Spurensuche im Wald', Fahrradtouren rund um den Dümmer, Flohmärkte und Anleitungen zu 'Mehr Mut zur Wildnis rund ums Haus!'. Die meisten Veranstaltungen waren gut besucht. Zwei Tage der offenen Tür in der recht versteckt gelegenen Umweltbibliothek ließen dagegen eine größere Re- sonanz vermissen.
Mit Hilfe von Mitteln der Umweltlotterie BINGO wurde eine Obstbaumwiese in Oberlethe angelegt und durch erhebliche Fördermittel und Flächen von Waltraud und Heinrich Becker ergänzt. Damit unterhält die BSH 11 Streu- obstwiesen mit alten Hochstammsorten auf dem alten Schießstand, Marsch- weg, Tillytränke, Tüdick, Höven /Wardenburg, in Schönemoor/Ganderkesee, Hengstlage/Großenkneten, Munderloh/Hatten, Düngstrup/Wildeshausen, Lönsweg/Wilhelmshaven. Lotteriegefördert wurde auch der Einbau von Sohl- gleiten in der Lethe sowie die Errichtung  eines neuen Schafstalles und eines Aussichtsturmes in der Gemeinde Vrees (Hümmling). Diese Ems- ländisch Kommune zeichnet sich durch ein hohes Engagement im Bereich Naturschutz/ Umweltbildung/Landwirtschaft und Tourismus aus, das unterstützt wird durch den Landkreis (Landrat/Verwaltung), örtliche Vereine, Amt für Agrarstruktur Oldenburg (Frau Winter) und die BSH, die in Regie von Dr. Heinz Düttmann und Dipl.- Ing. Wiebkea Bromisch (Osnabrück) auch eine sehr beachtete (Wander-) Ausstellung zum Moorschutz beisteuerte.
Unter dem Vorsitz der BSH konnten nach zähen Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen über die Bezirksregierung Hannover ein Pflege- und Betreu- ungsvertrag für 3 Mitarbeiter des Naturschutzrings Dümmer (Körner, Dr. Richter, Marxmeier) sowie ein Hausmeistervertrag für weitere 5 Jahre abge- schlossen werden. Außerdem wurde die Renovierung der Naturschutzstation zu einem erheblichen Teil mitfinanziert (Bauleitung: Staatshochbauamt Osna- brück). Vertreter der BSH arbeiten mit im Verein Naturraum Dümmer- niederung, der auch mit BSH-Fördermitteln in eine Stiftung überführt werden soll, um dauerhaft Schäferhof und Landschaftspflege an der Hunte mitzufinan- zieren (Luftbild). Der Vorsitzende, Bernd Habersack, ist zugleich Firmenchef der 'Lemförder', eines Konzerns, der insbesondere für AUDI Gelenkachsen herstellt.
Zur Beratung des Sachstandes und möglicher Förderanträge hatte die BSH in Rücksprache mit dem Unterhaltungsverband 'Obere Hunte' als Eigentümer zur ersten 'Bohmter Runde' nach Bohmte geladen. Nahezu alle maßgebenden Behörden und Vereine waren anwesend. Die Gemeinde stellte Gebäude und Getränke großzügigerweise zur Verfügung. Prof. Dieter Schuller (Mansie) wird einen ersten Renaturierungsentwurf der BSH ausarbeiten.
Sehr aktiv sind auch die Diepholzer BSH-Mitglieder im Agenda21-Förder- verein . Hervorzuheben ist der Moorlehrpfad in der Nähe der BSH-eigenen Flächen, den Dieter Tornow entwickelt hat - incl. Infotafeln. Nach der Aus- einandersetzung um die völlig unverständliche Nichtberücksichtigung der Hunte als besonders geschütztes Gebiet gemäß FFH-Richtlinie der EU, ging es im Berichtsjahr weiter mit der Fortschreibung der Gebiete gem. EU-Vogel- schutzrichtlinie, da u.a. die Ahlhorner Fischteiche betroffen sind. Zur Zeit erarbeiten Experten eine eigene Schutzgebiets-Karte der BSH von Nieder- sachsen, die der EU in Ergänzung zum lückenhaften Vorschlag der Landes- regierung vorgelegt werden soll.
Der dritte Umweltwettbewerb 'Umwelt 2000 - Wasser ist Leben' wurde auf Vorschlag der BSH von der Nordwest-Zeitung Oldenburg (NWZ) ge- meinsam mit NaBu (R. Wohlers) und Bezirksregierung (j. Drieling) ausgeführt. Mehr als 70 Schulen beteiligten sich, eine Informationsbroschüre ist von der NWZ erstellt worden. Auf ebenso große Resonanz waren Jahre vorher die Aktionen 'Umwelt macht Schule' und 'Handeln - nicht Verschandeln!' gestos- sen. Die Preise für die Gewinner beliefen sich auf über 100 Tsd. DM.
Daran schließen Ökomärkte und der Tag der Umwelt an (5. Juni), bei denen die BSH mit selbstgebauten Riechorgeln, Fühlbäumen und Gehschule Arten- kenntnis mit viel Spaß vermittelte.
Ein altes Thema wurde im Diepholzer Moor am 6. März wieder akut: gemein- sam mit mehr als 100 Teilnehmern wurde gegen die Produktionsweise der Diepholzer Tiermehlfabrik protestiert. Die Stadt schloss sich den Argumen- ten an, weitere Untersuchungen der in die Hunte fließenden Beeke werden finanziert. Ein Prozess, den die BSH 1977 wg. der Standortplanung anstrengte, konnte gegen die sofortige Vollziehung der Errichtung nichts ausrichten. Wei- tere umstrittene Themen waren das Befahren der mittleren Hunte (nun nicht mehr während der Brutzeit), die Grundschulplanung in der Niederung (Am Kamp) zu Wildeshausen, der 'Vergrämungsabschuß' von Kormoranen, das il- legale Verbrennen von Pflanzenresten und die Drückerkolonnen von anderen Vereinen zur Werbung von neuen Mitgliedern.