B S H - JAHRESBERICHT 2001

BIOLOGISCHE SCHUTZGEMEINSCHAFT HUNTE WESER - EMS e. V.

Gartenweg 5, 26203 Wardenburg, Tel. (04407) 5111    Fax -6760   Mail: bsh-natur@t-online.de www.bsh-natur.de

Am 26. Januar 1976 wurde die BSH in der Aula des Standortes Vechta der Universität Osnabrück von 96 Dozenten, Studierenden und interessierten Bürgern der Region gegründet. Anlass war die schon damals landschaftlich unverantwortlich erscheinende Ausdehnung der Massentierhaltung und des Maisanbaus mit dem hinreichend bekannten negativen Folgen für die Bevölkerung und deren Umwelt.                                                                                      Dazu erschienen Filme (ARD: `Und ewig stinken die Felder´, Jugendliche untersuchen heimische Gewässer), Bücher (Kleinschmidt/Eimler `Wer hat das Schwein zur Sau gemacht?´), Tagungsberichte (`Gülle-Mais-Bodenfruchtbarkeit´), Reports 22 und 23 (Koehn `Dynamik von Nitrat´; Sperveslage `Auswirkungen der Veredlungswirtschaft auf die Umwelt´) und Merkblätter (Salmonellen; Gülle; Humus).                                                                                               Während Auswüchse bei der Ausbringung, zum Beispiel das regelmäßige Abpumpen von Gülle in die Gewässer, abgestellt und auch wie an der Marka und rund um den Dümmer durch Flächenaufkäufe (über 100 bzw. 2000 ha) die Überdüngung von wertvollen Feuchtwiesen stellenweise aufgehalten werden konnten, war die Verdichtung der Ställe in keiner Weise zu verhindern. Mehr als 1000 Neubauanträgen überfluteten die Genehmigungsbehörden, an vorderster Stelle –wie immer- die Landkreise Vechta (Dezember 2001: 420 Bauanträge), gefolgt von Emsland (263), Cloppenburg (131), Grafschaft Bentheim (89), Osnabrück (83) und Oldenburg (60). Da diese Bauvorhaben bei Einhaltung der (ebenfalls zur Diskussion stehenden) Abstände zur Wohnbebauung privilegiert sind, bleibt das Gülle-Problem eine schwierige Hypothek.                                  Die Niederschlagsanalysen, die die BSH gemeinsam mit der Chemie an der Universität Oldenburg 1985/86 durchgeführt hatte, spiegelten die Tages-Aktivitäten in der Ausbringung der Gülle wider (W. Jansen u.a. `Saurer Regen´; Metzler). Interessant ist die Resolution des Landkreises Cloppenburg vom 21. 12. 1999, in der die Bundes- und Landesregierung aufgefordert werden, einen gesetzlichen Handlungsrahmen zu schaffen, der es den Kommunen ermöglicht, die Entscheidungen über die Zulässigkeit von Stallbauten in höherem Maße von deren Umwelt- und Raumverträglichkeit abhängig zu machen. Die BSH hatte Bundesagrarministerin Künast aufgefordert, in diesem Sinne tätig zu werden. Das wurde in einem Antwortschreiben von ihr bestätigt und zeigte sich in der Einführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie in der Legehennenverordnung, wonach die Käfighaltung ab 2007 verboten ist. Unverständlich ist die massive Gegenwehr der Agrarindustrie, die mit hochbezahlten Gutachtern den Beweis führen will, dass die Bodenhaltung für die Hennen Stress bedeute und sie keine Hackordnung entwickeln könnten. Größere, abwechslungsreich gestaltete Auslaufflächen, ausgewiesene Vorranggebiete für Stallanlagen und Bestandsobergrenzen würden hier Abhilfe schaffen.                 Die BSH kritisierte auch die Ablehnung von flächendeckenden Landschaftsrahmenplänen der Landkreise und kreisfreien Städte durch die Landesregierung und kommunale Spitzenverbände, obwohl die meisten schon länger vorliegen.                                                                                            Die 25-Jahr-Feier der BSH fand im Hörsaal und Foyer des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg statt. Die Rednerliste führte Umweltminister Wolfgang Jüttner an. Er sprach über `Die Bedeutung des ehrenamtlichen Naturschutzes für die Umweltpolitik in Niedersachsen´. Den abendlichen Festvortrag (`Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz – heute nötiger denn je!´) hielt Andras Krug, Abteilungsleiter im Bundesamt für Naturschutz. Eine Fotogalerie von diesem Tag wurde in das Internet gestellt (www.bsh-natur.de).    Die sonstigen Veranstaltungen umfassten Exkursionen zum Dümmer, in das Barneführerholz, ins Wittemoor, über den von BSH-Mitgliedern wesentlich mitgestalteten Moorerlebnispfad Diepholz, ins Ochsenmoor, Goldenstedter Moor und in den Nationalpark Wattenmeer sowie zu Windenergieanlagen in der Wesermarsch, den BSH-eigenen Streuobstwiesen, einer Staudengärtnerei in Dötlingen und einem Biolandhof in Edewecht-Osterscheps. In Vorträgen wurde eingegangen auf Naturschönheiten in der Wesermarsch, Meeresschutzgebiete, Artenvielfalt, Wall- und Feldhecken, Kleinfische, Honigbienen sowie ökologisches Bauen und Wohnen.                                                                            Mitarbeiter der Schutzgemeinschaft nahmen an Ökomärkten und am Umwelttag Diepholz teil, die Kindergruppe wurde unter Anleitung des Vorstandsmitglieds Dr. Brigitte Kreft-Kohlhage über das sommerliche Leben am und im Wasser in regelmäßigen Treffen mikroskopisch aufgeklärt.                                               Der Außendienst der BSH war auf etwa 20 Flächen im ständigen werktäglichen Einsatz. Neu entwickelt wurde die alte Graft am Totenweg in Wilhelmshaven. Im Juni erfolgte die erste Führung über den neuen Naturerlebnispfad auf dem Alten Schießstand in Wardenburg, der mit aussagekräftigen Informationstafeln versehen wurde. Die zugehörige Broschüre mit den Erläuterungen der Stationen (`Einmal rund um den Baum´, 48 S., zahlr.Abb., Schlußred. Nadine Kruse) fand auch positive Beachtung. Sie unauffällig in die Landschaft einzufügen, war wichtiges Anliegen, um den Charakter einer `Möblierung´ zu vermeiden. Routinemäßig sind zahlreiche Bäume und Gebüschgruppen am Tillysee auf den Stock gesetzt worden, Obstbäume wurden nachgepflanzt. Mäharbeiten durch beauftragte Landwirte durchgeführt.                                                                                   Im Berichtsjahr wurden gemeinsam mit dem Naturschutzverband Niedersachsen (NVN) der Report 23, das Merkblatt 64 (Einheimische Kletterpflanzen) und die beiden Öko-Portraits 31/32 (Haubentaucher, Maulwurf) herausgegeben. Bei der Themenauswahl wurde der Bedarf im Biologie- und Sachunterricht niedersächsischer Schulen zu Grunde gelegt, insbesondere im Hinblick auf Hintergrundwissen für die Schulbuch-Texte.                                                      Mit dem Merkblatt 65 nahm der BSH-Vorsitzende Stellung zur Frage der Regulation von Kormoran-Beständen an den Ahlhorner Fischteichen. Dieser etwa 1 m große schwarze Vogel breitet sich in den letzten Jahren unerwartet stark aus und macht Fischereibetrieben größte Sorgen. Die BSH hatte sich zwei Jahre mit Stellungnahmen zurückgehalten, verschiedene Referenten (Südbeck, Schlie) zu Wort kommen lassen und sich vor Ort mit mehreren Gremien einen Eindruck verschafft. Als sich 2001 die Frage stellte: entweder Aufgabe der subventionsträchtigen Teichwirtschaft, deren Karpfenteiche bis zu 90% durch Kormorane leergefischt waren, oder Vergrämen und Zurückdrängen der Kormorane, entschied sich die BSH, einem fünfjährigen Probeabschuss eines kleineren Teils der anwesenden Tiere außerhalb der Brutzeit zuzustimmen und eine wissenschaftliche Begleitung auf den Weg zu bringen.                             Eine Schließung der Teiche hätte bedeutet, dass das von Menschenhand in den letzten 100 Jahren angelegte Gebiet verlanden würde und wichtigste Brutgebiete und Winterquartiere für Zehntausende von Amphibien und Vögeln aufgegeben worden wären. Hinzugekommen wäre auch der Verlust schutzwürdiger Vegetation und Planktonvorkommen extensiver Karpfenteiche für Lehre, Forschung und Erholung. Zu berücksichtigen war auch, dass der Schutzstatus des Teichgebietes mit der Auflage versehen wurde, dessen Bewirtschaftung nicht zu beeinträchtigen. Aufschlussreich waren pauschale Verurteilungen `kollegialer´ Naturschutzverbände auf der Grundlage von Lehrbuch- oder Halbwissen sowie teilweise sehr unqualifizierten Beschlusstexten in Unkenntnis der Situation in Ahlhorn. [Auch beim Schutz von Wiesenvögeln werden wohl in nächster Zeit bezüglich der Rabenvogel- und Fuchsregulation einige liebgewordene Positionen des Naturschutzes zumindest relativiert, wenn nicht aufgegeben werden müssen.] Im Merkblatt wird ein österreichischer Mediator zitiert, der im `sogenannten Kormoranproblem´ zuerst ein zutiefst menschliches sieht, indem veraltete Denk- und Kommunikationsmuster aufeinander treffen.                                        Weitere Informationen können der Internet-Langfassung (25 Text-Seiten sowie 40 Abb.) unter www.bsh-natur.de/kormoran.htm entnommen werden.                      Der BSH-Vorstand hat das Landesamt für Ökologie (NLÖ) dahingehend kritisiert, dass zwar im Streitfall gern mit dem Schutzstatus (NSG, FFH, Vogelschutz) und dessen strenge Einhaltung argumentiert wird, jedoch das Ahlhorner Teichgebiet gerade aus der Vorschlagsliste für EU-Vogelschutzgebiete gestrichen wurde, und zwar nach den in Hildesheim selbst festgelegten für Niedersachsen völlig unnötig verschärften Anforderungen mit fünf Kriterien, die das westniedersächsische Binnenland stark benachteiligen; da half es nichts, dass auf regelmäßig nachgewiesene Arten wie Fischadler, Schwarzstorch und Rothalstaucher sowie das westlichste Brutvorkommen der Schellenten hingewiesen wurde.                                                                                        Im Juni begann Dipl.-Biol. Claudia Wolff (Braunschweig) ihre Arbeit in der Geschäftsführung beim NVN, der mit der BSH zwei Gebäude in Wardenburg und Hundsmühlen teilt. Sie verfügt über eine fachkompetente feldbiologische Ausbildung, was auf der BSH-Homepage unter `Vorstellung-Naturwissenschaftler´ nachzulesen ist. Schon sehr bald war sie in der Lage, die § 29-Verfahren zu bearbeiten und zahlreiche telefonische Auskünfte zu geben. Gemeinsam mit Prof. Dr. Rainer Buchwald vertritt sie BSH und NVN im Umweltausschuss der Stadt Oldenburg. Nach zehn Jahren legte der BSH-Vorsitzende sein Amt als fachberatendes Mitglied im Umweltausschuß des Landkreises Oldenburg in Vertretung von 10 Verbänden nieder. Als Nachfolgerin wurde Antje Reimann (Großenkneten/BSH-Vorstand) gewählt. Anstelle der Hochschulvertreter Prof. Akkermann / Prof. Bairlein wurden nunmehr zwei bislang auf diesem Gebiet unbekannte Vertreter des Naturschutzes an der Uni Hannover für den Beirat Nationalpark Wattenmeer bestimmt. Für die Verbände wurde die Büroleiterin des NVN in Hannover (Dr. Ulrike Christiansen bzw. J. H. Horn) erneut bestätigt.                                                                                                                    ak