B S H - JAHRESBERICHT 2002

BIOLOGISCHE SCHUTZGEMEINSCHAFT HUNTE WESER - EMS e. V.

Gartenweg 5, 26203 Wardenburg, Tel. (04407) 5111    Fax -6760   Mail: info@bsh-natur.de

Die Zusammenarbeit mit Institutionen, an deren Gründung die BSH maßgebend beteiligt war, wurde ausgebaut. Das betraf die Bürogemeinschaft mit dem Naturschutzverband Niedersachsen (NVN), das neue Naturschutzforum Deutschland (NaFor), Hunte-Regio und Lethe-Forum sowie den Verein Naturraum Dümmerniederung und die Agenda21-Stiftung in Diepholz. Personelle Veränderungen ergaben sich im Vorstand mit Dipl.-Tierökologin Wiebkea Bromisch (Osnabrück), die kommissarisch gewählt wurde, aus dieser Funktion wechselte Dr. Brigitte Kreft-Kohlhage in die Geschäftsführung. Die Vorgängerin, Dipl.Biol. Claudia Wolff, trat ein neues Amt beim NLWK Hildesheim an, sie vertritt NVN und BSH weiterhin im Raum Braunschweig. Durch Wegzug nach Hessen wurde eine weitere Stelle im Vorstand frei, neue Pressesprecherin ist nunmehr Maria Köllner (Buchholz/Nordheide), die als Redakteurin und Buchautorin eine Arbeitsgruppe der Medienbeauftragten in der Bürogemeinschaft berät. Dem Verwaltungsbetrieb einschließlich Zivildienst, ABM, BSHG und FöJ gehören zur Zeit 18 Personen an. Zu beklagen ist das Ableben des Beiratsmitgliedes Staatssekretär a. D. Jan-Hendrik Horn (58). Beim Vorsitz der für die Vereinsarbeit wichtigen Hunte-Wasseracht gab es einen altersbedingten Wechsel von Landwirt Heinz Bolling (Wardenburg) zu Landwirt Onno Langhorst (Wildeshausen) sowie bei der Neubesetzung der Dezernatsleitung 503 (Naturschutz) in der Bezirksregierung Weser-Ems von Dr. Helbing zu Helmut Dieckschäfer; dieses hat Einfluss auf den jährlich zweimal tagenden Runden Tisch mit den Naturschutzverbänden.

Da das von der Gemeinde Wardenburg überlassene Bibliotheksgebäude im Gut Hundsmühlen wachsende Feuchtigkeitsschäden aufwies, wurde in die Zentrale am Gartenweg 5 in Wardenburg umgezogen, die Schriften sind hier bis auf weiteres im Tiefgeschoss untergebracht. Ein Gesamtverzeichnis aller 20 Tsd. auszuleihenden Bücher ist EDV-Technisch erfasst und kann vor Ort eingesehen werden. Die ebenso zahlreichen Plangutachten für Niedersachsen sind inventarisiert und teilweise ausgemustert worden. Neue Gebäudeangebote anderer Kommunen sollen nach Auffassung des Vorstands nur dann wahrgenommen werden, wenn außer kurzen Wegen vor allem eine Außenfinanzierung gesichert ist. Damit kann zur Zeit angesichts der allgemeinen Finanznöte nicht gerechnet werden. Mit den FachleiterInnen für Biologie aller sechs Stadtoldenburger Gymnasien wurden Besprechungen und eine Exkursion über die BSH-Fläche `Alter Schießstand´ durchgeführt, um Möglichkeiten der Unterstützung des naturschutzorientierten Unterrichts auszuloten. Die Kooperation soll je nach Bedarf unregelmäßig fortgesetzt werden. Im Vordergrund des Interesses stehen auch Patenschaften und Projekte zu Natur, Umwelt und Landschaft in der Schule und auf der Fläche. Auch für andere interessierte Schulen und Hochschulen hält die BSH Flächen mit verschiedenen Biotoptypen vor, die etwa 250 ha umfassen (zum Beispiel: im Diepholzer Moor, am Moorbach Vechta, Flächen in den Bornhorster Wiesen und am Nordseedeich bei Norden).

Wiederkehrende Arbeitsschwerpunkte betrafen den geplanten Ausbau des mit land- und torfwirtschaftlichen Abwässern hoch belasteten Bornbaches, der über die Hunte in das Naturschutzgebiet und Europareservat Dümmer abfließt. Die BSH sprach sich vormals für eine kleine Lösung der Umleitung in den Randkanal und in die untere Hunte aus, nicht jedoch für den nunmehr beabsichtigten großen Ausbau bis nach Hengemühle unterhalb der Stadt Diepholz. Damit würden großflächig unkalkulierbare Veränderungen einhergehen, die dazu führen können, dass der Abfluss in der Niederung letztlich den Erfordernissen der anrainenden südoldenburgischen Agrarindustrie entsprechen muss. Das wäre auch zum Nachteil von Unterliegern (Stadt Diepholz, Landkreis Oldenburg), von denen sich einige bereits dagegen ausgesprochen haben. Näheres incl. Zeittafel ist unter www.casamedia.de/BSH nachzulesen.
Das extreme August-Hochwasser an der Elbe wurde im Vergleich zu nordwestdeutschen Erfahrungen presseöffentlich angesprochen. Bei den Ursachen wurde außer der Versiegelung und fehlenden Verrieselung in den Siedlungen auf die flächenhaften Begradigungen im Einzugsgebiet, auf die auch im Huntetal -wie in Wildeshausen und Diepholz- weiterhin zu beobachtende Bebauung und Beackerung in Überschwemmungsbereichen sowie auf die neuartigen Niederschlagsintensitäten, zum Beispiel tagelangen Dauerregen, auch als Vorboten einer Klimaänderung hingewiesen. Vergleichbare Schäden traten an der Hunte zuletzt im März 1981 infolge des Zusammentreffens von plötzlicher Schneeschmelze und Starkregen auf, Beinahe-Dammbrüche wurden in den letzten Jahren ebenfalls festgestellt. Fehlende Rückhaltekapazitäten zeigten sich in Delmenhorst. Die Problematik des Gewässer-Rückbaus und der Regenrückhaltung dürfte die gesamte Wasserwirtschaft weiterhin vordringlich beschäftigen. Die BSH fordert angemessene freie Hochwasserpolder entlang der gesamten Fließstrecke gefährdeter Gewässer und die strenge Beachtung von Freiflächen für Hochwasser bei allen Bauplanungen. Weitere Informationen unter Aktuelles.

Gemeinsam mit Kollegialverbänden (NABU u.a.) und Vertretern des Landkreises Wesermarsch wurde der Versuch des NLÖ (Vogelschutzwarte) abgewehrt, die Arbeitsweise der Storchenstation in Berne so zu verändern, dass zwar verunglückte Störche kurzzeitig aufgenommen, nicht aber in Dauerpflege bleiben dürfen, darunter auch brütende Alttiere. Dem Stationsleiter Hilfers wurde für seine bisherige ehrenamtliche Tätigkeit gedankt, zumal er die Tiere der aufgelösten Storchenstation Verden übernommen hatte (vgl. hier).

Die BSH sprach sich gegen den Bau großer Biogas-Anlagen aus wie sie für den Raum Bissel geplant waren, wenn diese so ausgelegt sind, dass sie auch von außerhalb einer Gemeinde Gülle annehmen. Es wird zwar die Gülle entgast (Methangewinnung), doch lösen diese Anlagen das Mengenproblem nicht - die herangefahrenen Gülle-Mengen müssen auch wieder zurückgefahren werden. Sofern nur vorgeschrieben ist, dass die Gülle mehrheitlich aus den Tierbeständen vor Ort stammen muss, können leicht 49 % aus fernen Quellen importiert werden. Das würde - da anrechnungsfähig - die Massentierhaltung weiter fördern und seuchenhygienisch gefährliche Keime zur Ausbreitung bringen.

Im Berichtsjahr wurden 54 Veranstaltungen durchgeführt, davon einige auch gemeinsam mit dem Naturschutzverein Nordenham, der Naturschutzgemeinschaft Ammerland, dem Naturschutzring Dümmer, den Naturfreunden Goldenstedt, dem Förderverein Goldenstedter Moor, Pro Natura (Edewecht), dem Touristenverein umtref, der Volkshochschule und Eine-Welt-Gruppe Wardenburg, dem Landesfischereiverband Weser-Ems, dem Verein zur Erhaltung des Bentheimer Landschafes, dem Ökowerk Emden und dem Institut für Naturschutz und Umweltbildung der Hochschule Vechta. Neben Vorträgen zur Entwicklung der nordwestdeutschen Vegetation, der Herkulesstaude, Seehunden, Kormoran überwogen naturkundliche Exkursionen und Führungen (Gänsezug Rheiderland, Biohof Bakenhus Großenkneten, Nationalpark Harz, Wiesen- und Wasservögel am Dümmer und in der Stollhamer Wisch, Wildenloh, Herrenholz, Geestbäche bei Westerstede, Windenergieanlagen, Schäferei Vrees) und Kindererlebnis-veranstaltungen (Nisthilfen bauen, Biologie der Spinnen und Wespen, Krabbeltiere, Winterfütterung), Mikroskopieren. Auch an Ökomärkten in Oldenburg, Barnstorf, Osnabrück, Diepholz nahm die BSH mit Info-Ständen teil. Das Interesse der Bevölkerung war groß. Die Jahresmitgliederversammlung fand am 1. Juni im Neuenburger Urwald statt. Führung und Vortrag zum Naturschutzkonzept erfolgten durch den Amtsleiter des Staatsforstes FD Kriebitzsch und Herrn Stegink-Hindriks.

Der Vorstand der BSH hatte vereinsintern folgende Schwerpunkt-Arten für 2002 beschlossen, die im Internet gesondert vorgestellt wurden (siehe hier) : Wildpflanze (Faulbaum), Gartenpflanze (Inkarnat-Klee), Staude (Stockrose), Obstbaum (Boskoop), Wildtier ( Dachs), Haustier (Bentheimer Schaf), Wirbellose (Süßwasserschwamm), Insekt (Kolbenwasserkäfer), Biotop (Neuenburger Urwald).

Die Ausstellungen `Kunst in der Natur´ in der Landesgeschäftsstelle werden von der Arbeitgruppe um Renate Riemer (Hatten) betreut. Den Anfang machten die großformatigen Scherenschnitte von Pflanzen und Tieren der seit BSH-Gründung mitwirkenden Künstlerin Haidelis Jacob-Kalähne (Syke-Gessel), gefolgt von eindrucksvollen Aquarellen zum Tal der Hunte von R. Riemer und der Pastellmalerei von Angelika Fauser (Hatten) mit Blumenmotiven und Ansichten typischer norddeutscher Landschaften.

Die Veröffentlichungsreihen wurden gemeinsam mit natur & kosmos (Stuttgart, Grafik München) fortgeführt. Es erschienen Merkblatt 66 (Pflanzen in der Stadt; Dr. Thomas Gregor, Vechta, 4 S.), Ökoportrait 33 (Haus- und Feldsperling; Dr. Erika Vauk-Hentzelt, Schneverdingen, 6 S.), 34 (Alte und gefährdete Haustierrassen II: Schweine; Dipl.-Biol. Ute Hörcher, Kiel, 4 S.), Norddeutsche Biotope 17 (Tieflandgewässer - Risiken und Chancen; Marta Sickinger, Prof. Dr. Ellen Kiel, Diepholz; 8 S., farbig), natur special REPORT 23: Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Veredelung und Auswirkungen auf die Umwelt (BSH-AG, Hans Sperveslage, 56 S.). Außerdem erschien eine farbige Broschüre `Streuobstwiesen der BSH´ (40 S.). Der Mitgliederbestand konnte bei 4799 annähernd gehalten werden. Außer persönlichen Mitgliedern trat ein größerer Wassersportverein der BSH bei.
ak