B S H - JAHRESBERICHT 1999

BIOLOGISCHE SCHUTZGEMEINSCHAFT HUNTE WESER - EMS e. V.

Gartenweg 5, 26203 Wardenburg, Tel. (04407) 5111    Fax -6760   Mail: info@bsh-natur.de


Das Berichtsjahr stand im Zeichen der Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-(FFH-) Richtlinie der Europäischen Union. Nach dem ersten Durchgang mit einer völlig unzureichenden Liste wurde 1999 Gebietsvorschläge im Nachgang gemeldet. Obwohl das entsprechende Gesetz bereits seit 1992 sehr genaue Vorgaben zum beabsichtigen Schutzgebietsnetz Natura 2000 der EU machte, hatten Bundes- und Landesregierungen keine Eile. Erst angesichts angedrohter hoher Vertragsstrafen wurde nachgemeldet, zum Beispiel durch die Bezirksregierung Weser-Ems am 6. November 99. Die Vorschläge der BSH und anderer Naturschutzverbände blieben weitgehend unberücksichtigt. Das war seinerzeit von der BSH auch im Internet bekannt gemacht worden (www.casamedia.de/bsh/ sowie www.bsh-natur.de). 

Es fällt auf, dass vor allem der gesamte Bereich der Hunte draußen vor blieb. Das ist ein bemerkenswerter Vorgang angesichts der Tatsache, dass die Hunte als einziger niedersächsischer Fluss für die modellhafte Sanierung kleiner Fließgewässer intensiv untersucht worden war. Die BSH wertet das als Kniefall der Landesregierung vor der Landwirtschaft, insbesondere der Massentierhaltung im östlichen Landkreis Vechta, die eine starke Vorflut mit möglichst wenig Naturschutz benötigt. Entgegen sonstiger Erfahrungen blieb es hier auch auffallend ruhig. Die BSH entschloss sich deshalb, die gesondert erarbeitete Liste des Nabu Osnabrück (Dr. Schreiber) mit Daten zu beliefern, um sie unabhängig vom Behördengang direkt nach Brüssel melden zu lassen, was dort auch ausdrücklich gewünscht wurde.

Von Bedeutung für das Einzugsgebiet der Hunte sind aktuelle Vorkommen von Meerneunauge (Osternburger Kanal), Knoblauchkröte und Kammmolch (Ahlhorner Fischteiche und Umgebung) alles Arten, die neben den Landschaftstypen in den FFH-Anhängen als besonders schutzwürdig aufgelistet sind. Die BSH hat bereits 1984 ein Schutzgebietsnetz angeregt, und zwar im Merkblatt 19: Naturkorridor Hunte-Jade. Ein Biotopverbundsystem im nordwestdeutschen Tiefland.

In diesem Jahr liefen auch die Verträge für die Mitarbeiter des Naturschutzringes Dümmer in der Naturschutzstation Dümmer aus. Der BSH-Vorsitzende ist turnusmäßig Vorsitzender dieses Vereins, dem außer der BSH auch Mellumrat und Nabu angehören. Ein neuer Kooperationsvertrag über 5 Jahre wurde mit dem Land geschlossen, somit können auch die 4 Biologen Frank Apffelstaedt, Frank Körner, Ulrike Marxmeier und Dr. Markus Richter weiterarbeiten. Die Bezirksregierung Hannover ist dort vertreten durch den Biologen Heinrich Belting und Landespfleger Jürgen Göttlke-Krogmann. Positiv ist die enge Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Weser-Ems. Für 24 Tsd. DM ermöglichte der Naturschutzring die Anlage von 30 maschinell ausgeschobenen Senken in der Hunteniederung nordwestlich des Sees.

Die Kooperation der BSH im Naturschutzverband Niedersachsen (NVN) ist intensiv, auch deshalb, weil in Wardenburg eine Bürogemeinschaft besteht. Im Büro Hannover (Tel. 0511-7000200) fand ein Wechsel statt. Ab August arbeitet dort Dipl.-Biol. Dr. Ulrike Christiansen. Sie steht auch in Verbindung zu Parlament und Ministerien.

Erhebliche Kosten verursachte der Umzug der BSH-Umweltbibliothek von einem Haus der Gemeinde Wardenburg in ein anderes. Künftig residieren Buchverwaltung, § 29-Archiv (seit 1991) und der kleine Buchladen im denkmalsgeschützten alten Gut Dannemann in Hundsmühlen – am Ende der langen Hunoldstraße in der Achternmeerer Straße 7 (www.bsh-natur.de). Hier hängt auch ein großes Ölgemälde von der Weser bei Dedesdorf, das die Mäzenin Frau Baier (Varel) der BSH als Schenkung ebenso überließ wie
1 Hektar Moorfläche nahe Zetel. Die zunächst versagte Zustimmung des Grundstücksverkehrsausschusses des Landkreises Friesland machte auf das Veto-Recht gegen Schenkungen aufmerksam, was grundgesetzlich kaum vereinbar sein dürfte.

Mitglieder der BSH arbeiteten weiterhin in wichtigen politischen Einrichtungen und Fachgremien mit, z. B. in den Beiräten der Nationalparkverwaltungen Niedersächsisches Wattenmeer und Harz, im Stiftungsrat der Niedersächsischen Umweltstiftung, im Beirat der Historisch-ökologischen Bildungsstätte Papenburg und des Oldenburger Landesvereins, in mehreren Regionalen Umweltbildungszentren zwischen Schortens und Diepholz, im neu gegründeten Verein `Naturraum Dümmerniederung´, der den Schäferhof südlich des Sees weiterführen soll, in den Umweltausschüssen der Kreistage, Stadt- und Gemeinderäte von Oldenburg Stadt und Land, Wardenburg, Diepholz, aber auch in den Landschaften Aurich, Oldenburg und Osnabrück und in diversen regionalen Stiftungen.  

Stellvertretend für besonders aktive Gruppen seien genannt die Gruppe Wesermarsch mit Peter Nottelmann (Nordenham), Großenkneten mit dem Ingenieur Jürgen Oppermann und Diepholz mit der Lehrerin Karin Tan gemeinsam mit dem Verein Lebenshilfe und dem von der BSH angeregten Agenda-Förderverein mit Dipl.-Geogr. Dagmar Trümpler. Herr Oppermann kümmerte sich auch um die Obstbaumwiesen der BSH in Ganderkesee, Hatten, Hengstlage, Tüdick, Oberlethe, Wardenburg und Höven. Sie wurden ebenso wie Lehrpfade und der Umbau einer zu steilen Fischtreppe an der Korrbäke mitfinanziert durch das Bingo-Umweltlotto.

Ein von der EU abgelehnter aufwendig gestalteter Förderantrag von ABM-Mitarbeitern des Lethe-Forums wurde damit begründet, dass die Lethe ein zu kleines Gewässer sei. Daraufhin gründete die BSH mit zahlreichen gleichgesinnten Vereinen und Einzelpersonen den neuen Verband `Hunte-Regio´. In den Vorstand wurden gewählt: Hans Sperveslage (Vors.), Dr. Remmer Akkermann, Hans Dieter Buschan, Karin Opphard, Eilert Tantzen, Karl-Heinz Schliep, Eckhardt Schönfelder, Willibald Meyer, Walter Zurborg. Die Besetzung berücksichtigt die geografische Vielfalt entlang der gesamten Hunte ebenso wie die paritätische Berücksichtigung der Interessengruppen Naturschutz / Land- und Forstwirtschaft / Kommunen. Hauptziel ist die Einwerbung von Fördermitteln auf vielen Bühnen.

In Diepholz entstand die Agenda 21-Stiftung mit 170 Tsd. DM Festgeld. Die BSH hatte davon 65 Tsd. DM eingezahlt (Pohlmann-Bußgeld sowie 5 Tsd. DM Altpapier DH). Präsident ist Stadtdirektor Heidemann, sein Stellvertreter –nach eigenem Willen für nur 2 Jahre- der BSH-Vorsitzende.

Unter den 56 zentralen Veranstaltungen des Programms befanden sich wiederkehrende Themen wie Fischereibiologie, Tierschutz, Bienenweiden, Bootswandern, Exkursionen durch den Hasbruch und andere ausgewählte Wälder, Ökolandbau, Gewässerschutz, Wiesenvögel, Rabenvögel, Amphibien, Strohauser Plate, Polder Lüsche, Dümmer und Agenda 21. Aber auch Umwelttage, Öko- und Staudenmärkte und sonstige Informationsstände wurden wahrgenommen.

Der Mitgliederzugang stagniert leider. Das hat mehrere Gründe. So macht sich bei jüngeren Menschen eine Vereinsmüdigkeit bemerkbar, obwohl es der Naturschutztätigkeiten nach wie vor dringend bedarf. Auch sind Bundesnaturschutzverbände erfolgreich dazu übergegangen, mit Drückerkolonnen auch in Niedersachsen an der Haustür zu werben. Diese Spontaneffekte lehnt die BSH ab. Sicherlich profitieren Türwerber und damit die anderen Verbände von der Öffentlichkeitsarbeit auch der BSH. Das tut der gemeinsamen Sache sicherlich keinen Abbruch, andererseits gibt es bei der BSH regionale Schwerpunkte, die die eigenen Mitglieder stärker herausgestellt wissen möchten. Diese Arbeit wird natürlich dadurch geschwächt, dass weniger Haushaltsmittel vorhanden sind. Umso größerer Bedeutung wurde den Aktionen zur Mitgliederwerbung beigemessen.

Die einzelnen Veranstaltungen und Geländeeinsätze werden auch –soweit darüber in den Medien berichtet worden ist – in einem Pressespiegel `99 zusammengefasst. Er kann zum Selbstkostenpreis in Wardenburg bestellt werden, soweit die kleine Auflage ausreicht.
Auch in diesem Jahr wurden einschlägige Veröffentlichungen herausgegeben. Der Verlag Isensee brachte gemeinsam mit der BSH und zahlreichen Förderern zum 100-jährigen Bestehen der Ahlhorner Fischteiche einen prächtigen Bildband heraus – Autor ist Hubert Fenske. Erschienen sind die Merkblätter 58-60 (Frühblüher, Umwelt-Audit, Laubbäume im Winter), Norddeutsche Biotope 16 (Marka-Mittelradde), Ökoporträt 29 (Linden). Die Frühblüher wurden innerhalb von 3 Monaten in 2 Auflagen über 10 Tsd. Mal verbreitet, u. a. kostenlos an alle niedersächsische Gymnasien, der Marka-Text erschien auch im Oldenburger Jahrbuch.

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