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In einer Zeit zunehmender Bodenversiegelung, sich ausweitender Siedlungsflächen mit sterilen Parkanlagen und einer damit verbundenen Abnahme naturnaher Habitate in jahrhundertealten Kulturlandschaften schwinden die Nistmöglichkeiten für höhlen- und nischenbrütende Vogelarten.
Neben dem vorrangigen Erhalt noch vorhandener Lebensräume kommt langfristigen Maßnahmen wie dem Anlegen von Brutbiotopen (z.B. Streuobstwiesen und Wallhecken), aber auch kurzfristig dem Bereitstellen künstlicher Nisthilfen in besiedelten oder bewirtschafteten Gebieten eine besondere Bedeutung zu. Schon seit Jahrhunderten ist der Mensch bestrebt, Nisthilfen (z.B. Wagenräder, Eulenlöcher, offene Stallfenster) für Vogelarten anzubieten. Zum einen verstärken Vögel die `biologische Schädlingsbekämpfung` (Singvögel als Vertilger von `Schadinsekten`, Eulen als Mäusejäger). Zum anderen besitzen viele Vogelarten für den Menschen einen Symbolcharakter (Storch und Schwalbe als Glücksbringer). Zunehmende Bedeutung hat auch der Aspekt der Naturbeobachtung, der bei Kindern ein Umweltbewusstsein fördert. Nistkästen aus Holz oder Holzbeton sind eine Variante der Bruthilfen für Vögel, die aber auch den Fledermäusen, Bilchen (Nachttiere wie Sieben- und Gartenschläfer) und Hautflüglern (Hummeln, Hornissen) nützen. Die Kästen werden dort eingesetzt, wo die natürlichen Nestbaugrundlagen fehlen, der Lebensraum aber dennoch ausreichend Nahrungsmöglichkeiten bietet. Eine höhere Siedlungsdichte von Vögeln unterstützt die Reduzierung von Insekten und deren Larven, also von Käfern, Schmettelingen, Fliegen, Mücken und Schnaken. Dies schließt auch schutzwürdige Formen ein, alledings sorgt in der Regel schon die Revierverteidigung der Vögel dafür, dass die Insektenbestände nicht gefährdet werden. Dass z.B. Segelfalter vom Aussterben bedroht sind, ist überwiegend auf die Vernichtung von Futterpflanzen durch Entwässerungsmaßnahmen, auf den Pestizideinsatz und die Schlegelmahd zurückzuführen. Auf dieser Seite werden Hinweise zum Umgang und zum Bau gängiger Nisthilfen aus Holz gegeben, die mit relativ geringem Materialaufwand hergestellt werden können.

 


Aspekte, die beim Umgang mit Nisthilfen
berücksichtigt werden sollten

Wie viele Kästen?
Ästhetik und Kosten regeln die Zahl der Kästen. Vögel arrangieren sich bei geringen Abständen. Leere Kästen werden als Schlafplatz oder von Gliedertieren (Spinnen, Ohrwürmer, Asseln, Hummeln) für die Brut oder zum Überwintern genutzt.

Welches Material?
Zum Selbstbau ist ungehobeltes, unbehandeltes Nadelholz geeignet; als Holzschutz ist aussen Leinöl völlig ausreichend. Ungeeignet sind dagegen glatte und geruchsintensive Materialien (Tonröhren, Kunststoffe, Reifenausschnitte). Eine Alternative ist der Holzbetonkasten mit langer Haltbarkeit, jedoch im Eigenbau aufwändig.

Welche Maße, welcher Aufbau?
Eine Überblick geben die Tabelle und die Zeichnungen auf den folgenden Seiten. Besonders wichtig ist dabei die jeweilige Fluglochgröße. Ist es zu klein oder trichterförmig gebohrt, kann ein Nistkasten zu einer Todesfalle werden. Wer z.B. Blaumeisen fördern möchte, kann mit einem Durchmesser von 26-28 mm Kohlmeisen den Zutritt verwehren. Die Bohrung sollte zudem leicht nach innen/oben gerichtet sein, um einen Wassereintritt zu erschweren.

Wann und wie ist der Kasten zu reinigen?
Im Herbst sollten alte Nester entfernt und über den Hausmüll oder durch Vergraben kalt entsorgt werden, da sie von Parasiten befallen sind und zudem nicht wieder benutzt werden. Stark verschmutzte Reste sollten mit heißem Wasser herausgebürstet werden.

Wo, wie und wann sind Nistkästen anzubringen?
Die durchschnittliche Höhe für Singvogelkästen liegt zwischen 1,5 - 3 m. Der Kasten kann frei hängend oder fest an Ast, Stamm oder Gebäude installiert werden; der Standort ist leicht beschattet (ausgen. Fledermäuse) und der Wetterseite (West-Südwest) abgewandt. Auf freien Zu- und Abflug achten. Der Kasten sollte senkrecht bzw. leicht nach vorn geneigt sein, Steinkauzkästen dagegen wwgerecht auf/unter dem Ast. Wasseramselkästen sollten unter Brücken und Schleiereulenkästen an der Innenwand von Scheunenluken o.ä. angebracht werden. Nistkästen können das ganze Jahr über aufgehängt werden, da sie im Winter als Schlafhöhlen dienen.

Welchen Vögeln kann man Nisthilfen anbieten (Beispiele)?

Halbhöhlen-/Nischenbrüter:

  • Bachstelze
  • Grauer Fliegenschnäpper
  • Haus-, Gartenrotschwanz
  • Turmfalke

Höhlenbrüter

  • Dohle
  • Garten-, Waldbaumläufer
  • Hohltaube
  • Kohl-, Blau-, Tannen-, Haubenmeise
  • Mauersegler
  • Star
  • verschiedene Eulenarten
  • Wiedehopf

BEZUG von Schwegler-Holzbetonhöhlen in großer Auswahl bei der BSH,
Gartenweg 5, 26203 Wardenburg, 04407/5111, Fax 04407/6760, E-Mail: info@bsh-natur.de
Weitere Informationen: www.bsh-natur.de/Umweltladen

 

Nistkästen aus Holz und Schnittmuster für 2 cm starke Bretter

 

kasten1.JPG (17367 Byte)schnittmus1.JPG (18275 Byte) » A1
(Loch 26 - 28 mm)

Nisthöhle für Blau-,
Tannen-, Sumpf-
und Haubenmeise


» A1
(Loch 32 mm)

Kohlmeise, Halsband
und Trauerschnäpper,
Wendehals, Sperling,
Fledermaus


» A1
(Loch 45 mm)

Star

» A1
(Loch 80 - 90 mm)

großer Kasten
Hohltaube

 


kasten2.JPG (9635 Byte)
schnittmus2.JPG (20476 Byte)
» B

Halbhöhle für Rotschwänze,
Grauen Fliegenschnäpper,
Bachstelze
kasten3.JPG (11060 Byte)
schnittmus3.JPG (19212 Byte)
» C

Mauersegler-Nistkasten

kasten4.JPG (12154 Byte)
schnittmus4.JPG (22163 Byte)
» D

Baumläufer-Nistkasten

» E

Turmfalken-Nistkasten

kasten5.JPG (26196 Byte)schnittmus5.JPG (22982 Byte)

» F

Schleiereulen-Nistkasten
(innen am Giebel)

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schnittmus6.JPG (17465 Byte)

» G

Wasseramsel-Nistkasten

kasten8.JPG (12574 Byte)
schnittmus8.JPG (21863 Byte)

» H

Spaltenkasten für Fledermäuse

kasten9.JPG (13851 Byte)
schnittmus9.JPG (11185 Byte)

» I

Steinkauz-Nistkasten

kasten7.JPG (35212 Byte)
schnittmus7.JPG (14807 Byte)

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Nistkastentyp*
_________________________________________________________________________________________________________
Maße der abgebildeten Nisthilfen - in cm -

Nistkastentyp   A1 A2 B C D E F G H I
Fluglochweite - 2,6-2,8 9 - 3,2x6,4
oval
Eck-
radius 6
- 12x18 - - 7
Abstand
Lochmitte/
Oberkante
- 5 14 - 5 - - 24 - - 8
Seitenwände I 27/23
x18
45/40
x20
17/14
x14
30x11 30x
13,5/4,5
49x30 50x46 35x30 30x
3,5/2
90x16
Rückwand II 27x18 45x20 17x12 11x22 30x18 30x30 100x50 35x30 50x30 16x16
Dach III 25x18 28x20 20x20 34x22 27x15 63,5x30 100x50 50x30 5x30 90x20
Vorderwand IV 23x14 40x16 8x16 13x18 30x18 13,5x30 100x50 5x25 30x30 16x16
Boden V 16x4 18x4 12x12 30x22 - 51x30 100x50 15x25 - 88x20
Befestigungsleiste VI 47x4 60x7 42x4 30x4 50x6 40x5 - 40x4 - -
Trennwand (Tr.)/
Dachriegel (D)
VII/
VIII
- - - - 9x3
18x3 (D)
- 46x25 - - -
Allg. Hinweise: Maße beziehen sich auf eine Brettstärke von 2 cm; die chemisch unbehandelten Innenseiten der Kästen sollten als Kletterhilfe aufgerauht werden; in das Bodenteil werden zwei Wasserablauflöcher (Durchmesser: 6 mm) gebohrt; zur Öffnung der Vorderwand zwei Messingschrauben oben als Drehachse, eine Schraube oder ein Sturmhaken unten zur Arretierung; bei Kasten F und I im Innenraum Streuauflage aus Sägespänen oder grobem Sand. *=siehe Grafik

 


Literatur

  • Bastian, H.-W.: Vogelgerechte Nistkästen selbst gebaut; Kosmos, Stuttgart 2000
  • Berlepsch, H. Frh. von: Der gesamte Vogelschutz - seine Begründung und Ausführung; Verlag von H. Gesenius, Halle (Saale) 1904
  • BSH: Anleitung zum Bau und zum Anbringen eines Nistkastens; BSH-Merkblatt 9, 2 S.
  • BSH: Mehr Schutz für die Schleiereule! BSH-Merkblatt 11, 2 S., 1980
  • Flegg, J.J.M. & Glue, D.E.: Nestboxes; Britsh Trust for Ornithology, 1971
  • Henze O.: Kontrollbuch für Vogelnistkästen in Wald und Garten; Selbstverlag Dr. Henze, 1983
  • Kerber, M.: Steinkauz; NVN/BSH Ökoporträt 27, 4 S., 1994
  • Landesanst. f. Umweltschutz Baden-Württ.: Gebäude im Siedlungsbereich - Lebensraum für Vogel- und Fledermausarten; Arbeitsbl. z. Naturschutz 2; 1986
  • Nieders. Landesverwaltungsamt - Fachbeh. f. Naturschutz: Merkbl. 8: Schützt unsere Fledermäuse;1. A., Hannover 1983
  • Phillip, E.: Einheimische Fledermäuse; NVN/BSH-Ökoporträt 7, 1985
  • Pott-Dörfer, B. & Schupp, D.: Nistmöglichkeiten und Quartierangebote an Gebäuden für Vögel und Fledermäuse, in: Informationsdienst Naturschutz Nieders., Heft 6/95; Nieders. Landesamt für Ökologie
  • Ruge, K.: Vogelschutz - ein praktisches Handbuch; Ravensburg: Maier, 1989
  • Zimmerli, E.: Freilandlabor Natur - Schulreservat, Schulweiher, Naturlehrpfad; 4.A., WWF Zürich 1980


Impressum

Naturschutzverband Niedersachsen e.V. (NVN)/Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems e.V. (BSH). Text: Dipl.-Biol. Hans-Jürgen Janßen. Redaktion: Prof.Dr. Remmer Akkermann, Dipl.-Biol. Andrea Santori. Grafiken: Hans-Jürgen Janßen, Antje Vasel. Layout/Grafik: Tausendblauwerk, München. Bezug über den BSH-Info-Versand, In den Heidbergen 5, 27324 Eystrup/Weser. Sonderdrucke für die gemeinnützige Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit werden, auch in Klassensätzen, zum Selbstkostenpreis ausgeliefert, soweit der Vorrat reicht. Einzelabgabe zu 1,- DM (in Briefmarken, zuzüglich Rückumschlag mit 1,10 Porto, auch als Euroscheck). Der Druck dieses Merkblattes wurde ermöglicht durch zweckgebundene Spenden. Jeder, der Natur- und Artenschutz persönlich fördern möchte, ist zur Mitgliedschaft eingeladen. Steuerlich abzugsfähige Spenden - auch kleine - sind hilfreich. Raiffeisenbank Wardenburg (BLZ 280 69 195) Konto-Nr.: 1000600. NVN/BSH, Gartenweg 5, 26203 Wardenburg, Tel. (04407) 8088 und -5111, Fax -6760, E-Mail: info@bsh-natur.de . NVN, Alleestraße 1, 30167 Hannover, Tel. (0511) 7000200, Fax -704533. E-Mail: nvn-natur.nds@t-online.de; Auflage 10.000. BSH-Mitglieder erhalten für den Bezug der Monatszeitschrift natur&kosmos einen Rabatt von 30%. Das NVN/BSH-Merkblatt wird auf 100% Recyclingpapier gedruckt. Einzelpreis: 1,- DM.


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