presse.jpg (19038 bytes)



Flußtäler als Hochwasserrückhalteflächen erhalten

BSH erwartet andernfalls stärkere Überschwemmungsgefahren

Wardenburg. Die vierfach überhöhten Oktoberniederschläge bestätigen die Datenauswertung einer 100-jährigen Wettermessung des Deutschen Wetterdienstes durch die Biologische Schutzgemein-schaft Hunte Weser-Ems (BSH), wonach sich im norddeutschen Tiefland der Trend zu größeren Winterregen-Mengen verstärkt. Daraus ergibt sich zwangsläufig, daß im Niederungsbereich aller Fließgewässer ungleich größere Rückhalteflächen eingerichtet werden müssen, als es zur Zeit der Fall ist.
Zwingend notwendig ist die Nutzung der Gewässer-Seitenräume als Grünland. Die vielerorts betriebene Ackerwirtschaft im ehemaligen Überschwemmungsbereich ist hinsichtlich der Erosionsgefahr gefährlich. Sie sollte besser kontrolliert und gänzlich untersagt werden, so die BSH. Landkreise und Wasserverbände seien diesbezüglich bisher außerordentlich nachlässig gewesen. Beispiele aus jüngerer Zeit zeigen, wie die humöse Bodenauflage hektarweise komplett abgespült worden ist – tritt erst einmal die Flutwelle über die Ufer.
Aus der Luft seien auf frisch gepflügten Äckern die ursprünglichen Windungen (Mäander) der Flüsse noch gut zu erkennen. Der Verlust von 80% der ehemaligen Gewässer-Rückstaufläche sei in breiten Tälern keine Seltenheit. Umso weniger dürfe die Gefährdung von Siedlungen durch Hochwasser verwundern, zumal niemand vorhersagen könne, ob es zu einem wochenlangen Dauerregen komme.
Durch zahlreiche Bauwerke wie Gewerbeflächen und Straßen seien die Versickerungs-möglichkeiten der Niederschläge an Ort und Stelle stark reduziert worden. Alles Wasser bewege sich deshalb zu den Vorflutern, die damit überfordert seien. Umso wichtiger ist nach Auffassung der BSH die Verrieselung des Dachwassers aller Gebäude auf dem eigenen Grundstück. Jeder Hausbesitzer sollte dies durch Froschklappen am Fallrohr oder Ableitungen in Gartensenken ermöglichen. In der Summe erbringe das einen deutlichen Entlastungseffekt.
Neuer Auenwald ist nur lokal eine Möglichkeit zur Dämpfung von Hochwasser. Die BSH sieht deshalb Probleme, weil die Flächen nicht zur Verfügung stehen. Aus der Sicht des Naturschutzes besteht in Norddeutschland ein erheblicher Bedarf an Grünland, das Bauern mehr oder weniger extensiv pflegen und Wiesenvogel-Bruten bei späterem Termin der Erstmahd zugute kommt. Auch hier wird an die Behörden appelliert, entsprechend dem Wassergesetz jenen Landwirten die Wiederherstellung von Grünland aufzuerlegen, die nach dem 1. November 1989 das gewässerbegleitende Grünland zu Ackerland umgewandelt haben.

{HOME}