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27.07.2000

Naturnahe Gewässerunterhaltung auch an der Küste notwendig

BSH kritisiert einseitige Entwässerungspraxis und fordert
mehr Rücksichtnahme

Wilhelmshaven. Anläßlich eines Ortstermins auf einem seit 12 Jahren genutzten Grundstück an der Heete bestand zwischen Vertretern der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) und der Sielacht Rüstringen keine Einigkeit über die Frage, wieviel Natur, insbesondere auf einer Seite stehende Gehölze, ein Wasser- und Bodenverband an einem innerstädtischen Gewässer dulden muß. Der Vorsitzende der BSH, Professor Dr. Remmer Akkermann, vertrat die Auffassung, dass sich heute kein Unterhaltungsverband -auch nicht an der Küste- mehr erlauben könne, nur für die Entwässerung durch jährliche Ausbaggerung, den Gewässerausbau und ländlichen Wegebau zu sorgen, ansonsten aber nichts zu tun, was andernorts jahrzehntelange Praxis sei und das Bundeswasserverbandsgesetz mit § 2 (12/13) unter `Herrichtung, Erhaltung und Pflege von Flächen und Gewässern zum Schutz des Naturhaushalts´verstehe.
Keinerlei Interesse bestünde im Hinblick auf die gesetzlich vorgesehene Zusammenarbeit und Fortentwicklung im Naturschutz. Stattdessen begegneten die Naturschutzvertreter einer überheblichen Ablehnung, die teilweise auf falschen Informationen und Unterstellungen basierte, wie sie nur noch aus den siebziger Jahren bekannt sei. Das bewies auch die Frage des Verbandsvorstehers der Sielacht Rüstringen, Jürgen Reents (Jever), wer denn überhaupt die anerkannten Naturschutzverbände seien. Auch ein von `Ideologien´ geleiteter einseitiger Naturschutz wurde vermutet.
Die BSH verwundert diese Einstellung nicht, werde doch die Sielacht angeführt von einem Vorstand aus 4 Landwirten. Und denen falle gemeinnützige Landschaftspflege nun einmal schwerer als die Bedienung landwirtschaftlicher Interessen. Der Verpflichtung, deutlich mehr als bisher für die Interessen der nichtlandwirtschaftlichen, aber beitragszahlenden Bevölkerung, zum Beispiel in der Stadt Wilhelmshaven, zu tun, könne sich die Sielacht Rüstringen nicht entziehen. Hochwasserschutz und Naturschutz seien durchaus miteinander vereinbar, man müsse es nur wollen. Das sei auch das Gebot aktueller Verordnungen und Richtlinien auf allen Ebenen zwischen Europäischer Union und Land.
Die BSH wird sich deshalb auch an den zuständigen Umweltminister Jüttner wenden, um noch in diesem Jahr darauf hinzuwirken, eindeutige Leitlinien herauszugeben, die mehr Natur an unseren heimischen Gewässern möglich machen als bisher. Auch solle der Boykott der gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligung der Naturschutzverbände durch einige Wasserverbände angesprochen werden. Die öffentlichen Zuschüsse müßten zudem streng gebunden werden an tatsächlich umgesetzten ökologischen Maßnahmen. Hier fehle offenbar der notwendige politische Nachdruck.