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   21.12.2000


Man muss nicht gleich zum Vegetarier werden!

BSH sieht bei BSE auch Chancen für eine umwelt- verträgliche Landwirtschaft

Wardenburg. Die auch in Deutschland angelaufenen Notschlachtungen von Rindern, die mit BSE-Erreger-haltigem Material in Kontakt gekommen sind, geben der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) Anlass, andere Wertaspekte beim Einkauf von Lebensmitteln zu betonen.

Menschen sind einerseits Allesesser -wie es Zähne und Darmparasiten beweisen-,
andererseits ist aber auch eine vegetarische Ernährung möglich. Der Naturschutz unterstützt natürlich jedes Mehr an vegetarischer Ernährung -heisst das doch, dass damit weniger Flächen benötigt werden, weniger Gülle anfällt und mehr Platz ist für natürliche Lebensräume. Niemand sei es aber verwehrt, sich auch für tierische Kost zu entscheiden. Dabei ist der ehrliche Herkunftsnachweis und die Nähe der bäuerlichen Betriebe von grosser Bedeutung.
Schon seit mehr als einem Jahrzehnt hat sich deshalb die BSH auch für die Einrichtung von Biofleischereien und Ökomärkten eingesetzt, darunter erstmals in Oldenburg. Noch gut in Erinnerung ist es, welche Schwierigkeiten dem Oldenburger Betrieb damals gemacht wurden, um überhaupt anfangen zu können, begonnen bei der Genehmigung eines Standes auf dem Lambertimarkt bis hin zu kleinsten technischen Vorbehalten. Die Art und Weise, wie die Tiere gehalten werden ist ebenso ein Qualitätsmerkmal wie die Frage, mit welchem Futter sie aufgezogen werden. Das beherzigen inzwischen auch immer mehr konventionelle Betriebe, die die Kunden einladen, sich das Tier auf Hof und Weide anzusehen.

Wenn Fleischskandale auftreten, sind -so die BSH- nicht nur Bauern nach den Ursachen zu fragen. Vielmehr gibt es eine Kette von Bedingungen, die auch Seuchen begünstigen. Das ist zuallererst die ungezügelte Genehmigung immer neuer Tierställe im Bezirk Weser-Ems, und zwar seit Jahrzehnten. Ebenso lange lehnt die schon die BSH diese ungesunde Verdichtung ab - ohne Erfolg. Die Bevölkerung leidet unter starken Umweltschäden wie Geruchsbildung und Wasserverseuchung, aber es wird weiter genehmigt wie die zahlreichen Anträge beweisen, die der BSH vorliegen. Ein Landkreis wie Cloppenburg hat eine lasche Genehmigungspraxis, indem er nur die Hälfte an Kompensationsflächen fordert als es andere Kommunen tun. Völlig grotesk ist es, wenn sich dieser Landkreis bei der Landesregierung beschwert, dass er so verfährt.

Die BSH macht die regierenden Parteien auf Landes- und Kreisebene für diese Mißstände verantwortlich. Die EU-Präambel ermöglicht es, sich f ü r den Menschen zu entscheiden, wenn dessen gesundheitliche Unversehrtheit in Gefahr ist. Warum lässt es dann ein Stall-überladener Landkreis nicht einmal auf einen Musterprozess ankommen. Nichts tut sich hier, sondern es wird vollstreckt, was irgendwelche EU-Wirtschaftsvorgaben fordern. Die Entwicklung wird angesichts der Schäden ein schlimmes und teures Ende nehmen. Allein die Schweinepest 1994 hat den Steuerzahler hierzulande schon knapp eine halbe Milliarde DM gekostet. Fazit: nicht die Mengenproduktion muss subventioniert werden, sondern die ökologisch und gesundheitlich verträgliche Fleischproduktion.

Die BSH appeliert an Politik und Landwirtschaftskammern, ungleich stärker als bisher jene Bauern zu unterstützen, die als Landschaftspfleger, Gewässer- und Energiewirte tätig werden wollen, und sei es als zusätzliches wirtschaftliches Standbein. Ihr Wissen ist draussen gefragt wie nie zuvor - das möchte auch die Bevölkerung unterstützen. Wenn bestimmte Landvolksprecher- oder geschäftsführer nach der Devise `Weiter so wie bisher in der Produktion - es gibt keine Alternativen` verfahren, geraten sie nach Meinung der Schutzgemeinschaft in die Sackgasse.

Was den Verbraucher anbetrifft, so kann er einen anderen Lebensstil bei Festtagsgerichten und Weihnachtsessen häufiger zum Zuge kommen lassen. Menüs können auch mit weniger oder ohne Fleisch sehr gut schmecken. Und sei es, dass häufiger variiert wird. Wer sich umhört, kann feststellen, dass immer mehr Familien versuchen, sich in pikanten vegetarischen Gerichten zu versuchen. Dabei verlassen sie nicht nur ihre übliche deutsche Küche, sondern auch den europäischen Raum, indem sie Rezepte aus China, Indonesien, Philippinen, Indien und Neuseeland anwenden.

Die BSH unterstützt diese Bestrebungen uneingeschränkt. Denn die vegetarische Ernährung ist heute nicht mehr auf dem Prüfstand, sie kann alle notwendigen Nährstoffe dem Körper zuführen. Früher hiess es, dass nur Fleisch `ein Stück Lebenskraft` sei, auf das in keiner Weise verzichtet werden könne. Das stimmt so nicht. Vegetarische Speisen können exzellent schmecken und man kann sicher sein, damit die Umwelt geringer belastet zu haben. Dennoch können die meisten Zutaten aus deutschen Landen weiterhin `frisch auf den Tisch` kommen, denn viele Neubürger kennen sich bei der Zubereitung inzwischen gut aus.

Aus den genannten Gründen bittet die BSH alle diejenigen, die neue Wege gegangen sind von ihren Versuchen und Erfolgen in der Küche zu berichten. Vielleicht könnte so eine Sammlung von Rezepten entstehen, die Festtagsfreuden und ökologische Rücksichtnahme miteinander verbindenj. Es interessiert dabei natürlich auch, ob die Essen geschmackvoll waren und wie die Menüfolge bereitet wurde. Über das Ergebnis wird im neuen Jahr berichtet.