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Wardenburg, 14.12.2001

 

„Kleine Fische ganz groß!“

Vortrag über Kleinfischarten- und Gewässerschutz fand großen Anklang

Oldenburg. Kleinfischarten werden - im Schatten von Lachs und Meerforelle oder tief eingebuddelt im Sediment - bei der Unterhaltung und Renaturierung von Gewässern oft übersehen. Doch gerade „unsere Kleinsten“ sind es, um deren Schutz wir uns besonders bemühen müssen, da sie zu den Charakterarten unserer Gräben, Bäche und Tümpel gehören. Kleinfische, von denen zwölf Arten in Niedersachsen vorkommen, sind der Öffentlichkeit zwar weniger bekannt als Hecht und Karpfen, doch bereichern sie unsere Gewässer nicht nur ästhetisch durch ihre bunten Laichkleider, sondern erhöhen auch die Artenvielfalt der heimischen Fischfauna. Die Ansprüche an den Lebensraum von Kleinfischarten wie Stichling und Steinbeißer stellte Prof. Dr. Heiko Brunken von der Hochschule Bremen in einem Vortrag dar. Etwa 40 Interessierte - darunter insbesondere Fachleute der Fischerei - waren auf Einladung der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems e.V. (BSH) ins Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg gekommen. Brunken erläuterte, dass bis auf wenige Ausnahmen alle Kleinfische auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen. Ursachen der Gefährdung seien heute vor allem der Gewässerausbau und rigide Unterhaltungspraktiken an den Gewässern. Doch Brunken machte Möglichkeiten der Renaturierung von Fließgewässern in drei Bereichen deutlich: an Gewässersohle, an den Randstreifen und in der gesamten Aue. Er räumte dabei auf mit Kenntnisdefiziten im Naturschutz, die den Fischen ebenso gefährlich werden könnten: so fehle vielen Fischarten zwar der Kies zum Ablaichen, doch daher bei Gewässerrenaturierungen den Sand generell zu verteufeln und zu entfernen, sei falsch, weil Arten wie der Steinbeißer gerade auf diesen angewiesen seien. Der Schlammpeitzger sei wegen seiner Fähigkeit zur Darmatmung an extreme Bedingungen angepasst, und zeitweise austrocknende Auegewässer böten ihm beste Lebensgrundlagen. Daher könnten gut gemeinte Aktionen wie eine künstliche Aufrechterhaltung von Tümpeln ihm sehr schaden. Auch Schlamm sollte nur nach Prüfung der darin vorkommenden Bewohner entfernt werden, denn darin lebten neben Muscheln und Fischnährtieren oft die Larven des Bachneunauges. Dem Bitterling fehlten vor allem strukturreiche Auealtwasser, in denen sie geschützt vor Raubfischen ihren Laich in die Kiemen von Muscheln pressen könnten. Das sei ein langwieriges Unternehmen, denn die Muschel müsse zunächst durch wiederholtes Anstupsen dazu gebracht werden, geöffnet zu bleiben. Ohne Deckung seien die Bitterlinge dabei ein gefundenes Fressen für Räuber.

Kritisch beurteilte Brunken den Besatz mit Fischen ungewisser Herkunft, durch den die genetische Eigenart der Fischpopulationen verloren gehen könne und der die Bestandsbedrohung nicht an der Wurzel behebe.

Positiv wurde der Hinweis Brunkens von den Zuhörern aufgenommen, dass große Verbesserungen im Gewässerschutz möglich seien, wenn Vertreter der Unterhaltungsverbände, Fischerei, Forst und Naturschutz zusammenarbeiteten. Eine weitere Kooperation mit der BSH stellte Prof. Dr. Brunken am Ende der Veranstaltung in Aussicht. „Dies wird sicher nicht der letzte Auftritt Brunkens mit der BSH gewesen sein“, freute sich BSH-Mitarbeiterin Claudia Wolff über den aufschlussreichen Abend.

Heiko Brunken ist Fischökologe und beschäftigt sich seit Jahren mit der naturnahen Gestaltung von Fließgewässern. Nach langjähriger Berufspraxis in Ingenieurbüro und Umweltverwaltung ist er heute im Internationalen Studiengang für Technische und Angewandte Biologie an der Hochschule Bremen tätig. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeiten stehen dabei immer wieder die Lebensraumansprüche von Kleinfischarten sowie Fragen des Fischartenschutzes im Schnittpunkt von Naturschutz, Fischerei und Wasserwirtschaft.

 

 

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