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Wardenburg, 19.04.2002

Noch Platz für die Natur belassen
BSH hat bei Biokraftwerk Bedenken gegen Standort und Funktionssicherheit

Bissel. Ein großes Biokraftwerk im Einzugsbereich der höchstverdichteten Tierhaltung Europas errichten zu wollen, scheint auf den ersten Blick sinnvoll. Doch schon beim genaueren Hinsehen ergeben sich nach Meinung der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) Probleme und negative Auswirkungen für Natur, Mensch und Landschaft.

Das Gelände befindet sich inmitten besonders wertvoller Schutzgebiete, deren Kauf, Herrichtung und Erhaltung in den vergangenen hundert Jahren große Summen gekostet hat und nicht gefährdet werden darf. Betroffen wären die Ahlhorner Fischteiche, das Sager Meer, die Lethe, die Letheheide; aber ebenso Schullandheime und touristische Einrichtungen. Auch die BSH verfügt hier über zwei Flächen mit Schafstall, die als typische Landschaftselemente unterhalten werden. Jährlich besuchen Tausende von Schülern und Erholungssuchenden dieses Areal. Wenn ausgerechnet in dieser wenig gestörten naturnahen Landschaft eine Großanlage im Rundum-Abstand von 800 m zur nächsten Wohnbebauung errichtet werden sollte, so ist mit schwer einzuschätzenden Belastungsrisiken zu rechnen.

Gegen gut kontrollierte moderne Biogasanlagen auf Einzelhöfen oder in Hofgemeinschaften kann wenig eingewendet werden. Dagegen schafft eine Großanlage Entlastung für die agrarindustrielle Tierhaltung, was zu noch mehr Ställen führen werde. Damit verbunden sind unerwünschte Sekundäreffekte einer stärkeren Luft- und Wasserverschmutzung, hohe Zufahrtsfrequenzen durch Tanklastwagen und ein großes Seuchenrisiko.

Angesichts der Tatsache, dass die Schweinepest 1994 in Niedersachsen knapp eine halbe Milliarde DM Steuermittel verschlungen hat, sind Großanlagen politisch kaum zu billigen. Das ist weniger bedingt durch den Verfahrensprozeß, als durch die vielen Bewegungen fremder keimbelasteter Fahrzeuge, die die ausgegorenen Güllemengen auch wieder abfahren müssen. Außer Abgasen und Lärm geht damit auch eine Schädigung der Straßen und Feldwege einher.

„Wir haben schlechte Erfahrungen mit den Betriebsprognosen von Großanlagen, die tierische Abfälle entsorgen“, stellt der BSH-Vorsitzende, Prof. Dr. Remmer Akkermann, fest. Die Realität habe sich dann jedoch ganz anders entwickelt, entgegen den Planungsaussagen.

Sowohl im Falle der Tierfrischmehlfabrik im Diepholzer Moor als auch des Kompostwerkes Gatherheide ist die Luftverschmutzung bis heute derart stark, dass Prozesse von Anliegern geführt wurden bzw. noch werden.

Die Schutzgemeinschaft spricht sich vielmehr für kleinere Gemeinschaftsanlagen auf dörflicher Ebene aus, die die hier anfallenden Güllemengen aufarbeiten. Um die Arbeitsweise und Umwelteinflüsse einer geplanten Großanlage einschätzen zu können, muss eine gleich große Anlage, die schon länger arbeitet, besucht und die Anwohnerschaft nach Störungen befragt werden. Die Besuchsergebnisse geben keinen Anlass zu Optimismus. Außerdem muss ein solches Projekt auf seine Umweltverträglichkeit für sensible Pflanzen und Tiere umfassend untersucht werden. Nicht zuletzt bedarf es einer allgemeinen Akzeptanz in der Bevölkerung. Und davon kann keine Rede sein.

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