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Wardenburg, den 15.08.2003
Kurzzeiterholung zwischen Lethe und Schafstall
BSH informiert über historische Naturlandschaft


Bissel. Wem das Gebiet `An der Lethe´ unterhalb, also nördlich der Ahlhorner Fischteiche noch nicht vertraut ist, der findet es -versteckt hinter einem hölzernen Weidetor und dichtem Gebüsch- an der Kreisgrenze auf dem Weg zwischen Sage und Garrel-Beverbruch, also ganz in der Nähe der Sager Meere, wenn er dem entsprechenden Straßenschild ein km nach Norden folgt. Die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) betreut dort gemeinsam mit der Hans-Plesch-Stiftung ein etwa 2 Hektar großes Naturgebiet. Besucher werden gerne gesehen, sofern Ihnen das Naturerlebnis am Herzen liegt und sie sich an die üblichen Spielregeln halten, also auf den schmalen Wegen bleiben, kein Feuer machen, allen Abfall wieder mitnehmen, die Tore schließen und eine angemessene Lautstärke nicht überschreiten.

Zum landschaftsgeschützten Gebiet gehören neben einem unter Denkmalsschutz stehenden Schafstall auch eine nacheiszeitlich gestaltete Terrassenlandschaft. Vom geöffneten Stall mit Sitzgelegenheiten können Besucher von oben in das Tal der hier schnell fließenden Lethe hineinsehen. Viele der Besucher bestätigen, dass sie hierzulande so einen Ausblick auf Bach, Wiesen, Birken- und Weidengehölzen nicht so häufig erlebt haben. In der Bachniederung dürfen Sumpfdotterblumen, Disteln und Königsfarn wachsen wie sie möchten. Gemäht wird nur einmal im Jahr. Auf halber Höhe befindet sich ein kleiner Teich mit Hangdruckwasser, gesäumt von Hute- oder Krat-Eichen, also alten vormals von Schafen verbissenen und dershalb krumm und schief gewachsenen Stieleichen. Auf der oberen Ebene befindet sich die neuangelegte Heidefläche mit großen freistehenden Kiefern und Wacholdern, Ginster und Schlehen. Dazwischen liegen Findlinge, die einzelne Besucher zur kurzen Rast einladen.

Die Tierwelt ist vielfältig. Im Sommer sind Baumpieper, Feld- und Heidelerche keine Seltenheit. Gelegentlich sind der Steinkauz und die im Stall brütende Schleiereule, aber auch Rebhühner und am Bach sogar die Wasseramsel zu beobachten. Dachse bewohnen am Steilhang einen alten Bau, die jungen Tiere geraten aber nachts immer wieder in tödliche Unfälle mit vorbeifahrenden Autos. Der Biologe Dr. Klaus Taux (Oldenburg) fand neben typischen Vertretern der Besenheide-Drahtschmiele-Wacholder-Gesellschaft mit Fingerkraut, Ferkel- und Habichtskraut, auch neun Feldheuschrecken- und 2 Laubheuschreckenarten, mit zum Teil mehr als 200 Exemplaren, darunter sind auch exotische Namen wie die Gefleckte Keulenschrecke und die Kurzflügelige Schwertschrecke. Die Pflege erfolgt in enger Abstimmung mit dem Amt für Naturschutz des Landkreises Oldenburg durch die Schäferei Schwantje (Bissel) und in Rücksprache mit der Familie Gerd Plesch (Oldenburg), die dieses Areal für BSH und Öffentlichkeit gestiftet hat. Die BSH betreut die Flächen seit 1981.
Die Rücksichtnahme der manchmal an schönen Tagen in die Hunderte gehenden Besucher ist groß, stellt BSH-Vorsitzender Dr. Remmer Akkermann fest. Es sei erfreulich, dass alle Kreise der Bevölkerung, darunter auch das Landvolk, dieses Angebot für einen kleinen Ausflug in die freie Natur immer wieder nutze und dabei manches Neue kennen lernen.

Leider, so betont ein Außendienst-Mitarbeiter der BSH, stößt die Flächenpflege auch an ihre Grenzen, wenn es gilt, die vordringenden Bestände von Adler-Farn, Pfeifengras, Brennessel, Ginster und Traubenkirsche zu Gunsten anderer, weniger kampfkräftiger Pflanzen etwas zurückzudrängen. Auch hat der Verein seine liebe Not mit einigen wenigen Zeitgenossen, die Zäune zerstören, Findlinge entfernen, das Dach des Schafstalls beschädigen, Informationsblätter auskippen oder den BSH-Leuten ihren Müll hinterlassen. Dagegen hatte sich kürzlich eine Lehrerin aus Cloppenburg gemeldet, um den Schaden an aus dem Dach herausgezogenen Reithalmen durch eine Spende der Schüler zu erstatten.

Das Gebiet `Lethe-Heide´ dient der Information für die interessierten Bevölkerung, aber auch zur Demonstration von Schulklassen, die einen Schafstall erleben oder am Bach kleinere gewässerkundliche Untersuchungen durchführen möchten. Das wurde gelegentlich sogar unterstützt durch den Biologen Schuster vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft (NLWK) in Cloppenburg.
Wer nach dem Besuch noch mehr erleben möchte, erreicht die etwa 2 km entfernt liegenden Ahlhorner Teiche in kurzer Zeit, wenn er an der Kreisstraße dem Schild `Blockhaus´ folgt und sich in süd(öst)liche Richtung bewegt. Nähere Informationen siehe: hier

 
Rückfragen an die BSH: (0 44 07) - 51 11
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