presse.jpg (19038 bytes)
13. November 2003
Mehr Kooperationsbereitschaft für die
Hunte

Oldenburg. „Wir müssen uns alle aufeinander zu bewegen", lautete das Fazit von Eilert Tantzen, Vorstandsmitglied des 2000 gegründeten Vereins Hunte-Regio, auf dem ersten Hunte-Symposium im Oldenburger Landesmuseum für Natur und Mensch. Gemeint ist ein stärkerer Wille zur Kooperation von Wasser- und Bodenverbänden, Naturschutzverbänden sowie den Landbesitzern an der Hunte. Informationen, Diskussionen und Zukunftschancen für den Fluss sowie für die Anlieger standen im Vordergrund der Veranstaltung. Dabei erörterten unter anderen Vertreter von Naturschutzverbänden, der Wasserwirtschaft und aus dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium die momentane Situation des Flusses sowie mögliche Maßnahmen einer mittel- bis langfristigen Renaturierung des Wasserlaufs und der angrenzenden Landschaft.

Für eine weitere Förderung der Renaturierungsmaßnahmen durch die Landesregierung sprach sich Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) während des Symposiums aus. Auf diese Weise solle der einstige kurvenreiche Verlauf des Gewässers – zumindest an einigen Stellen – wieder hergestellt werden. Dies soll zunächst im Bereich Huntlosen geschehen. In der geplanten Umleitung des den Dümmer speisenden Bornbachs sieht Sander momentan jedoch keinen Handlungsbedarf: „Der Dümmer ist viel klarer geworden, daher sollten wir langfristig denken und die Ursachen an der Wurzel packen." Eine Umleitung des Bornbachs, wodurch eine weitere Verschmutzung des Flachsees verhindert werden könnte, sei nur eine kurzfristige Lösung, die den Geldaufwand nicht lohne.

Der Zustand der im Wiehengebirge entspringenden Hunte hat sich in den letzten 200 Jahren durch zahlreiche Eingriffe des Menschen stark verändert. In ihrem zurzeit 166 Kilometer langen Verlauf bis zur Mündung in die Weser bei Elsfleth sind zahlreiche Begradigungen vorgenommen und angrenzende Bracheflächen zu Äckern umgenutzt worden, so dass eine natürliche Auelandschaft mit ihrer reichhaltigen Artenvielfalt kaum noch vorhanden ist. Bei Hochwasser werden zudem die Nährstoffe aus den Ackerflächen in die Hunte gespült. „In ihrem Oberlauf ist die Gewässergüte noch relativ o.k.", so Diethard Neß, Leitender Baudirektor a.D., „im Mittellauf zwischen Wildeshausen und Oldenburg gibt es durch zahlreiche Begradigungen jedoch Probleme." Abschnitte bei Wildeshausen beispielsweise wiesen eine immer stärker werdende Erosion auf, auch der Hochwasserschutz sei nicht mehr gewährleistet.

Um einen naturnahen Schutz gegen das Ansteigen des Wassers zu gewährleisten, forderte Dr. Ing. Klaus Röttcher aus Kassel, sich beispielsweise bei einer anstehenden Bebauung nach dem
100-jährigen Hochwasserplan zu richten. Eine Bebauung in gefährdetem Gebiet solle vermieden werden, was zurzeit nicht immer der Fall sei. So hat beispielsweise Wildeshausen in einem durch Überschwemmung bedrohten Gebiet erst kürzlich eine Grundschule errichtet. „Prävention statt Sandsäcke" lautet eine Forderung für einen nachhaltigen Schutz. „Man sollte in einem gewässernahen Gebiet jede Besiedelung unterbinden", meint auch Professor Dr. Remmer Akkermann von der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH). Stattdessen sollten dort Grünflächen entstehen, eventuell sogar wieder ein Auwald.

Doch genau in dem Punkt stoßen die Interessen aufeinander: „Möglichst extensive Landwirtschaft muss sich ein Einzelbetrieb erstmal leisten können", gab Kreislandwirt Kai Seeger zu bedenken. Grünlandprämien gebe es momentan noch nicht, außerdem stelle sich die Frage, wie die Flächen genutzt werden könnten. „Wir können das von den Bauern nicht verlangen, wenn es unwirtschaftlich ist", so Staatssekretär Gert Lindemann vom Niedersächsischen Landwirtschafts-ministerium. Ein Umdenken ist also gefordert – von allen Seiten und mit kreativen Ideen.

„Die Landwirte brauchen einen finanziellen Ausgleich, wenn sie auf die Einnahmen durch die Ackerflächen verzichten würden", so Professor Dr. Rainer Krüger von der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, der sich mit einer nachhaltigen Tourismusentwicklung in der Hunte-Region beschäftigt hat. Dieser Bereich könne auch von den Landwirten aufgegriffen werden, beispielsweise durch Urlaub auf dem Bauernhof. Da auch zunehmend mehr Reiselustige mit dem Wohnmobil unterwegs seien, könnten die Landwirte auch dort ansetzen: „Eine Übernachtung mit Frühstück im ländlichen Bereich wäre für viele Wohnmobil-Urlauber sicher eine wünschenswerte Sache."

 

Text: Melanie Jülisch



{HOME}