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Gartenweg 5 . 26203 Wardenburg

Wardenburg, den 02.04.2004

 

Bei Dorfentwicklung auf Wohnqualität achten

BSH kritisiert zu viele Gewerbegebiete bei Dorfentwicklungs-plänen

Wardenburg. Wenn es um die Entwicklungspläne der Ortschaften Astrup, Benthullen und Charlottendorf-Ost geht, muß die Wohnqualität für die Bevölkerung und die Naturverträglichkeit an erster Stelle stehen. Es kann nicht angehen, dass zahlreiche Gewerbegebiete neu festgestellt werden, ohne dass die vorhandenen Potentiale ausgenutzt sind. Dies stellt Prof. Dr. Remmer Akkermann fest, der als Vorsitzender der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) fachberatendes Mitglied im Planungs- und Umweltausschuß der Gemeinde Wardenburg ist.

Es sei zu begrüßen, dass zahlreiche Vorschläge gemacht und Daten als Planungsinstrument für die Zukunft zusammengetragen worden seien. Das erlaube auch der Bevölkerung nachzuvollziehen, wie die Geschichte eines Ortes und welche raumordnerische Umsetzung zu erwarten sei. Bemerkenswert und bedenklich zugleich sei die Feststellung, dass 50% aller Höfe über weniger als 5 ha Fläche verfügen, dass 43% der Fläche von nur 5,6 % der Betriebe bewirtschaftet werden und dass nur 4,6% aller in der Gemeinde Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig seien.

Daraus schlussfolgert Akkermann, dass die Interessen von mehr als 90% der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung ungleich stärker als bisher berücksichtigt werden müssten. Viele dieser Menschen wohnen hier und zahlen hier Steuern, arbeiten aber ganz woanders, ob in Oldenburg, Bremen oder anderen Landkreisen. Umso wichtiger seien Maßnahmen, die Wohn- und Erlebnisqualität der Landschaft in der Gemeinde Wardenburg zu verbessern. Dazu gehören nicht zerstreut liegende Gewerbegebiete, die zusammenhängende Ortschaften oder Landschaftsräume zerschneiden wie die Planungsbeispiele entlang der Autobahn und Rothenschlatt zeigen.

Bebauungsfähige Flächen im Lückenschluss gibt es noch hinreichend. Wenn eine politische Mehrheit mit einem hohen steuerlichen Aufwand weitere Gewerbeflächen erschließen lasse, so sei zu fragen, wer sich denn dort -zum Teil in großer Nähe zu Wohnsiedlungen- niederlassen solle. Die bisherige Vergabepraxis von Gewerbeflächen hat nach Meinung der BSH gezeigt, dass sich dort kaum arbeitsplatzintensive Betriebe niedergelassen haben.

Vielmehr habe sich manch eine teure Fläche eher als privates Reservegebiet ohne Amortisierung heraus gestellt. Ein bestimmtes Areal habe schon mehr den Charakter einer Deponie. Solche Fehlinvestitionen dürfe man sich zukünftig nicht mehr erlauben. Um die Erholungswirksamkeit in Wardenburg zu steigern, kommt es –so die BSH – darauf an, verfügbare Flächen, möglichst auch Grenzertragsböden, die ökologisch zu einem Verbundsystem vernetzt werden können, zu erwerben. Dabei könnten Grundeigentümer und Landvolk, Bürger- und Ortsvereine, Naturschutz, Fischerei und Jägerschaft gemeinsam mit den zuständigen Behörden und politischen Gremien Hand in Hand arbeiten. Bevorzugt werde das Prinzip der Freiwilligkeit und der gemeinsame Willen, baldmöglichst etwas zugunsten von Natur und Erholung auf die Beine zu stellen oder fortzuführen. Hauptzielgruppen sind die gesamte Bevölkerung, die Kurz- und Langzeiterholungssuchenden und alle jene Menschen, bei denen Informationen durch die Presse oder über Veranstaltungen außerhalb der Gemeinde die Neugier geweckt haben, sich diese Landschaft doch mal näher anzusehen. Und was ist besonders attraktiv?

Dazu gehören außer einer schönen innerörtlichen Gestaltung solche Elemente, die gern angenommen werden oder ökologisch nahe liegend sind. Das betrifft die weniger intensive Bewirtschaftung in den Seitenräumen der Gewässer, den Gewässer-Rückbau im Bereich der Hunte und Lethe und die Anlage kleiner Nahrungsteiche zugunsten der abgewanderten Störche, aber auch mehr Hecken, Wallhecken und schnell erreichbare `grüne Lungen´ wie den Tüdick, den Alten Schießplatz oder die Huntewiesen am Ende des Marschwegs in Wardenburg. Rundwanderwege sollten die Deiche mit einbeziehen und Einsicht gewähren –so wie es die BSH gemeinsam mit der Wasserwirtschaft in den Tungelner Wiesen nahe der Huntebrücke Hundsmühlen auf 7 ha deichparallel geplant und angelegt hat. Hier sollte die Möglichkeit bestehen, dass auch Spaziergänger einschließlich Kleinkinder mit einfachem Schuhzeug ihre Erholung finden und wählen können, ob sie 1 oder 10 km lange Rundwege benutzen können. Diese ließen sich auch gemeinsam mit Grünstreifen und Anpflanzungen als Ringbiotope abwechslungsreich rund um die Ortschaften vervollständigen, neu anlegen und kreisförmig schließen. Es gibt dafür schon gute Beispiele in Wardenburg ebenso wie in Großenkneten, Hude oder Dötlingen. Viele Wege und Fernwanderwege ließen sich da integrieren. Wo so etwas stattfinden soll, bedarf aber der sehr konkreten öffentlichen Abstimmung unter Federführung der Vereine. Politische Vorab-Beschlüsse sind nicht hilfreich.

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