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Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems e.V.

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 Wardenburg, den 28.04.2010 

Protokoll über die Gründungsversammlung der Fachgruppe „Säugetierkunde Weser-Ems“ in der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems BSH am 30. April 2010 in Großenkneten Gasthof Haaster Krug

 

Die Gründungsversammlung der Fachgruppe Säugetierkunde Weser-Ems wurde eröffnet durch den Vorsitzenden der BSH, Herrn Prof. Dr. R. Akkermann. Er erläuterte ausführlich die Überlegungen zur Gründung einer Fachgruppe Säugetierkunde in der Biologischen Schutzgemeinschaft. Vor allem sind es grundsätzlich, speziell aber auch zur Begleitung von Planungen in der Landschaft fehlende Daten zum Vorkommen von Säugetieren in West-Niedersachsen – auch im Anschluss an das im Mittelgebirge gelegene Westfalen. Gegenüber den Datenbeständen bei Fischereibiologie und Ornithologie sind größere fachliche Rückstände aufzuholen. Die Daten sollen zudem nördlich an den Raum Westfalen anschließen, von wo bereits ein Säugetier-Atlas durch Rüdiger Schröpfer erstellt worden ist.
Auch ergibt sich durch die neue Fachgruppe (FG) die Möglichkeit, die Mitarbeit vorhandener Kenner der Säugetierszene zwischen Weser und Ems, also vor allem im Norddeutschen Tiefland, zusammenzuführen und zu koordinieren. Aus diesem Kreis sollen auch Konzepte zur Unterstützung gefährdeter, (ursprünglich) heimischer Arten und ihrer Lebensräume vorgeschlagen werden. In Bezug auf semiaquatische Säugetiere sollen auch die Methoden und Intensitäten der Gewässerbehandlung durch die Wasser- und Bodenverbände untersucht werden, ein wichtiges Anliegen eines Vereins, in dessen Namen die im Vordergrund stehenden Einzugsgebiete von drei Flüssen genannt werden.
Danach übergab der BSH-Vorsitzende die Moderation an Prof. Dr. R. Schröpfer, der in seinem Beamer-Vortrag mehrere mögliche Arbeitsschwerpunkte der FG zur Diskussion stellte.
Das gemeinsame Ziel sollte die Abfassung einer „Säugetierfauna des Ems-Weser-Raumes“ sein. Diese Arbeit führt die Mitglieder der FG zusammen und bringt eine Darstellung von Vorkommen und Status der Säugetierarten im Referenzraum. Es wurde über kartographische Methoden diskutiert, wobei die Quadranten-Darstellung auf der Topographischen Karte 1:25000 als besonders praktikabel erschien. Dazu wurde betont, dass mit entsprechenden Software-Programmen leicht von einer Darstellung zu einer anderen gewechselt werden könnte. Wenn immer möglich wird eine GPS-Kartierung erfolgen.
Es wurde hervorgehoben, dass eine enge Kooperation mit der Jägerschaft angestrebt werden muss, da über 40% der einheimischen Säugetiere im Jagdgesetz stehen, jährlich in den Streckenangaben zu finden sind und in dem Wildtierinformationssystem der Länder Deutschlands WILD auf Revierebene veröffentlicht werden.
Ausführlich besprochen wurde die Möglichkeit und die Notwendigkeit, Säugetierarten-Beauftragte zu gewinnen, die auf diese Tätigkeit geschult und sich mit guter Artenkenntnis dem Vorkommen „ihrer“ Art(en) widmen sollen. Besonders aber wird sich für einige Arten, die nicht im Jagdgesetz stehen, sondern dem Naturschutzgesetz unterliegen, die Notwendigkeit ergeben, z.B. bei Verletzung oder Totfund dieser Arten, sich vor Ort um die Tiere zu kümmern. Hier sollen auf bestimmte Gebiete/Regionen bezogen, sich Mitglieder der BSH und der Fachgruppe zur Verfügung stellen. Auf dem nächsten Treffen im August soll darüber ausführlich, auch über Ausbildung, Zuständigkeit und Befugnisse gesprochen werden.
Die Möglichkeit eines weiteren Vorhabens führte zu einer regen Diskussion: der Entwurf einer Plankarte über Gewässerquerungen für aquatische und semiaquatische Tierarten. Es wurde dargestellt, dass in Niedersachsen, und hier auffällig in der Ems-Weser-Region, wegen der durch Wasserscheiden getrennten Stromsysteme keine Ost-Westausbreitung dieser Organismen möglich ist. Da sich die BSH besonders für die Gewässersysteme der Ems-Weser-Region verantwortlich und verbunden fühlt, wäre dieses Vorhaben für sie eine passende Aufgabe.
Als ein Vorhaben besonderer Art wurde die Wiederanpflanzung und die Stützung einer Wiederausbreitung des Haselstrauches empfohlen. Es wurde im Vortrag ausführlich dargelegt, dass für eine größere Zahl von Tierarten die Haselnuss eine wichtige Nahrungsressource darstellt, belegt durch die stammesgeschichtlich entwickelten Taktiken, die äußerst harte Schale der Haselnuss zu öffnen. Mit dem Verschwinden dieses Strauches, der in der Tiefebene einmal zu den charakteristischen Elementen der Strauchvegetation gehörte, sind in diesen Gebieten Tierarten ausgestorben, wie z.B. die Haselmaus. Da eine ganze Tiergilde von dem Nussangebot dieses Strauches lebt, soll seine Wiederansiedlung geplant und seine Ausbreitung gefördert werden. Hierbei sollte die BSH mit anderen Gruppen und Institutionen kooperieren.
Im nächsten Punkt wurde die augenblickliche Situation des Bibers an der Hunte dargestellt und besprochen. Nach der Aussetzung einiger Biber von Unbekannt an der Hunte, hier besonders in den Dümmer, beobachtet die BSH deren Ausbreitung. Es tauchten Biber von südlich des Schäferhofes bis flussabwärts in Wildeshausen auf. Zwei Biber wurden tot gefunden, ein Tier überfahren auf der B 51 in Burlage, und ein Tier zu Tode gekommen wahrscheinlich in einem Astfang südlich des Schäferhofes. Das Letztere wurde im Landesmuseum in Oldenburg so weit wie möglich präpariert und aufgrund des Schädels als eurasischer Biber bestimmt; es war ein weibliches Tier und ausgewachsen. Nach Mitteilung des Kreises Diepholz wurde eine Gewebeprobe des in Burlage überfahrenen Bibers zur Bestimmung nach Leipzig geschickt und mit der DNA-Methode ebenfalls als Eurasischer Biber bestimmt; das Tier soll für das Museum in Lembruch präpariert werden. Am südlichen Aussichtsturm Ochsenmoor wurde ein Jungtier gefunden, das von der BSH 14 Tage mit Weidenrutenschnitt gefüttert wurde und nach Fang mit einer Falle, ausgeliehen vom Naturschutz Meppen, vom Kreis in die Auffangstation Sachsenhagen gebracht worden ist. Weiterhin wurden Schnitte an der Hunte bei Barnstorf gefunden. Ein Biber wurde wenig später in Wildeshausen von einem Auto angefahren, von der dortigen Polizei eingefangen und in die Hunte gesetzt, da es offensichtlich verletzungsfrei war. Den Beleg lieferte ein Foto durch die Polizeistation.
Das weitere Vorgehen in einem Projekt „Biber wieder in die Hunte – Biber zurück in das Wesersystem“ wird demnächst in der BSH intensiv diskutiert werden.
Das nächste Treffen soll entsprechend der Namensgebung „Säugetierkunde Weser-Ems“ im Emsland stattfinden: am Freitag, dem 13. August 2010, in Haselünne-Lahre, mitten im Biber-Vorkommen des Emslandes.

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