„Der Dümmer und seine Niederung im Bereich konkurrierender Interessen von Naturschutz, Erholung und Landwirtschaft"

Vortrag von Prof. Dr. Akkermann am 26.9.2004
(auf der Grundlage von Angaben des Kreis-Naturschutzbeauftragten Dieter Tornow, Diepholz)

anlässlich des Kreisheimattages Diepholz in Lembruch

 

In wenigen Tagen ist es 20 Jahre her:

Gründung des Dümmerausschusses der Naturschutzverbände am 4. Oktober 1984.
Von Anfang an dabei: der Niedersächsische Heimatbund mit Dr. Walter Unteutsch und BSH, NVN, NABU, Mellumrat, WWF, BUND, Landessportfischereiverband, Wiehengebirgsverband. Der damalige Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht, CDU, lud am 31.August 1985 zur ersten Dümmerkonferenz ein.

Das Ergebnis der Konferenz:

Wenn nichts geschieht, dann besteht der Dümmer in 80 Jahren nur noch aus Schlamm. Die Ursache: der See wird überdüngt, er muss auf Diät gesetzt werden.
Zitat Bildzeitung vom 29.8.1985: „Albrecht rettet den Dümmersee. Höchste Zeit, denn der Dümmer ist wohl das schmutzigste Gewässer der Welt: Phosphor-, Stickstoff- und Güllegehalt sind 45mal höher als erlaubt!"

Nach der Konferenz formierte sich Widerstand gegen das Gesamtpaket „Dümmersanierung".

3. Es ist der unermüdlichen Arbeit des Dümmerausschusses der Naturschutzverbände zu verdanken, dass fast zwei Jahre später, im Februar 1987, dann doch noch das Konzept zu langfristigen Sanierung des Dümmers und seines Umlandes von der Niedersächsischen Landesregierung verabschiedet wurde.

Das Konzept verfolgt vier Ziele:

1. Sanierung des Sees durch Verminderung des Nährstoffeintrages, dazu sollen die Kläranlagen eine Phosphatfällung erhalten, Gewässerrandstreifen angelegt, der Bornbach um den See herumgeleitet werden und ggf. ein Großschilfpolder zur Reinigung der Resthunte gebaut werden.

2. Sanierung des Umlandes, d.h. dauerhafte Erhaltung der für den Naturschutz wertvollen Bereiche des Dümmers und der Dümmerniederung.

3. Sicherung der Existenzen der betroffenen Landwirte

4. Erhaltung des Dümmers und der Dümmerniederung als Erholungsraum

Was macht den Dümmer so interessant?
Erfahrungsberichte siehe Beispiele (50 Dias)

Was ist nun aus all den Plänen geworden? Wer hat sich besonders engagiert?

Zu 1: Sanierung des Sees:

Als erstes wurde die Aufrüstung der Kläranlagen mit einer so genannten dritten Reinigungsstufe in Angriff genommen und erfolgreich umgesetzt.
Mit dem ersten Spatenstich zur Bornbachumleitung am 7. April 2004 wurde ein weiterer Schritt begonnen. Die Umleitung wird 2007 fertig gestellt sein.
Ob im Anschluss daran auch noch ein Großschilfpolder gebaut werden muss, bleibt abzuwarten. Die Theorie spricht dafür. Mit einer intensiveren Begleitforschung könnte man das besser abschätzen.

Zu 2 und 3: Sanierung des Umlandes und Sicherung der Existenzen der betroffenen Landwirte.

Der Naturschutzbeauftragte des Landkreises Diepholz , Dieter Tornow, sagt seit einigen Jahren: „Landwirte und Naturschützer am Dümmer sind echte Freunde geworden." Wie ist es dazu gekommen?

1. Landkreis Diepholz und Landkreis Vechta und Bundesregierung

1987 begann der Landkreis Diepholz mit dem Ankauf von rund 900 Hektar im Ochsenmoor. Dieser Flächenankauf wurde finanziell unterstützt vom Bundesumweltministerium.

Dies ist der Verdienst von Dipl.-Ing. Alfons Hallen, dem Fachdienstleiter Naturschutz im Landkreis Diepholz.

1996 wurde auch der Ankauf von 180 ha im Osterfeiner Moores durch den Landkreis Vechta vom Bundesumweltministerium und dem Land Niedersachsen gefördert. Das Ziel dieser Maßnahme war der Schutz der Niedermoorböden vor weiterer Zerstörung, der Schutz von Wiesenvögeln, Heuschrecken, Käfer und Pflanzen und die Erprobung von Konzepten für eine ökologisch notwendige und ökonomisch möglichst sinnvolle Bewirtschaftung der Naturschutzflächen. 13 Landwirte beteiligen sich an diesem Projekt im Osterfeiner Moor.

Hinter diesem Erfolg steht Dipl.-Ing. Rudolf Stukenborg, der Amtsleiter Naturschutz im Landkreis Vechta

2. Die Europäische Union

Mit den beiden Life-Natur Projekten zur Wiedervernässung des Ochsenmoores (1998 bis Ende 2000 mit rund 1,3 Mio. DM, davon 50% EU und 50% Land und zusätzliche 0,6 Mio. DM vom Land Niedersachsen) und zur Wiedervernässung der westlichen Dümmerniederung (2002 bis 2006 mit rund 3,1 Mio. Euro) hat sich auch die EU am Dümmer engagiert. Dies wurde möglich, weil die Gebiete Bestandteil des Europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000 sind.
Hinter diesen Projekten stehen Beamte der Landesnaturschutzverwaltung: Roland Dreher, Heinrich Wilke und Arndt Meyer-Vosgerau

3. Das Land Niedersachsen

Über den Weg des Flächenankaufs, an dem sich auch das Land Niedersachsen maßgeblich beteiligte, wurde der jahrelange Streit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz friedlich beigelegt. Mittlerweile sind rund 2.500 ha Wiesen und Weiden rund um den Dümmer im Besitz der Öffentlichen Hand. Die geplanten Naturschutzgebiete sind heute als NATURA 2000 Gebiete nach europäischem Recht geschützt: Feuchtgebiet  nach der FFH Richtlinie: 2.965 ha. Besonderes Schutzgebiet nach der Vogelschutzrichtlinie: 4.630 ha. Die beiden Gebiete überlappen sich, sodass die Schnittmenge deutlich kleiner ist.

Zusammengefasst:

Die Verzögerung der Verabschiedung des Dümmersanierungskonzeptes nach der Dümmerkonferenz 1985 hatte ausschließlich einen Grund:

Naturschutz am Dümmer war politisch nur dort durchzusetzen, wo die Öffentliche Hand die Flächen von den Grundeigentümern aufgekauft hatte.

Ohne das Instrument der Flurneuordnung wäre dies nicht umsetzbar gewesen.

Diese Leistung lässt sich auch personifizieren: Klaus Rinne und das Amt für Agrarstruktur, ebenso wie die GFL mit Herrn Früchtenicht. Damit wurde das Ziel, die Existenzen der betroffenen Landwirte zu sichern, zu aller Zufriedenheit umgesetzt

4. Naturschutzstation Dümmer

Unter dem Dach der Naturschutzstation Dümmer ist seit 1993 der notwendige Sach- und Fachverstand gebündelt, um den Anforderungen des modernen Naturschutzes zu genügen.

a. Von dort aus werden die Flächen in Kooperation mit über 150 Landwirten bewirtschaftet und die Brut- und Rastvogelbestände werden regelmäßig erfasst: Erfolgskontrolle.

Beispiel: Entwicklung der Bekassine (1991 = 10 Brutpaare, 2002 = 50 Brutpaare rund um den Dümmer)

b. Mittlerweile ist die Naturschutzstation auch eine wichtige Bereicherung des Tourismusangebotes in der Region: 100 Führungen im Jahr, Ausstellungsdiele, Natur-Erlebnispfad mit Aussichtsturm, NaturErlebnisGarten usw.

c. Die Naturschutzstation Dümmer steht aus zwei „Beinen":

der staatliche Naturschutz mit Dipl.-Ing. Jürgen Göttke-Krogmann, Dipl.-Biol.  Heinrich Belting und Oliver Lange und der Naturschutzring Dümmer, ein Zusammenschluss der BSH, des NABU und des Mellumrates. Unsere Mitarbeiter: Frank Apffelstaedt, Frank Körner, Ulrike Marxmeier und Dr. Markus Richter

zu 4.: Erhaltung des Dümmers und der Dümmerniederung als Erholungsraum

Für den Tourismus am Dümmer wurde in den vergangenen Jahren mehr getan als vielerorts bekannt ist:
Zuschüsse über LEADER+ - Förderinstrument der EU:
222.000 € Neugestaltung des Dümmer-Museums (2002/2003)
240.000 € an EU-Fördermitteln für Tourismus-Verein (2002 bis 2006)für Dümmer und Diepholzer Moorniederung

175.000 € für die Vogelschau in Dümmerlohausen (Gesamtkosten 454.000 €, davon noch 100.000 € von der Bundesstiftung Umwelt)

Andere EU-Zuschüsse für:
355.000 DM (Hälfte von EU) wassergebundene Decke auf dem Norddeich bis Dümmerlohausen (1998/9)
600.000 DM Umgestaltung des Deichweges vor Hüde zu einer 4m breiten Strandpomenade (1997/8)
Großer Spielplatz am Deich in Hüde (1998): Allein die Spielgeräte haben einen Wert von über 100.000 DM (Diepholzer Kreisblatt vom 10.10.1997)
Großer Spielplatz in Lembruch (2001):

456.000 DM Deichsanierung incl. große Liegewiese in Lembruch (2001)

Offenes Forum Tourismus (gefördert durchLEADER II): Bestandserhebung und Auslotung von Chancen für den Tourismus in der Region zwischen Weser und Dümmer (2000) professionell begleitet von projekt m Marketingberatung Professor Kreilkamp & Co. GmbH.
Entschlammung des Dümmers, damit man überhaupt noch segeln kann: jährlich 500.000 €.
Genehmigung von Tourismus-Großveranstaltungen: Dümmerbrand und Eiswette in Dümmerlohausen  ...und die vielen naturkundlichen Führungen aus dem Haus der Naturschutzstation Dümmer sowie das Engagement am Schäferhof (Naturraum Dümmerniederung). Der Renovierung des Gebäudes hat nicht nur Naturschutzgründe, dort soll demnächst im alten Schafstall ein Kommunikationszentrum entstehen.

In der Summe haben bislang alle vom Dümmersanierungskonzept in erheblichem Maße profitiert: Tourismus, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz.

Das Dümmersanierungskonzept war und ist ein Millionen Euro schweres Investitionsprogramm für diese Region, mit all seinen Synergieeffekten.

Die Naturschutzverbände sind stolz darauf, dass sie maßgeblich dazu beitragen konnten, dieses Programm auf den Weg zu bringen.

Wie am Anfang soll hier am Ende, stellvertretend für alle Aktiven, wieder an Dr. Walter Unteutsch erinnert werden, der im Alter von 90 Jahren am 7.12.2000 gestorben ist und den Erfolg seiner Arbeit nicht mehr miterleben konnte.


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