November 2005

Gesellschaft der Freunde des Hasbruchs e.V.                     

Stellungnahme zu der von der Nds. Forstverwaltung geplanten Fällung von Eichen im Hasbruch


Als am 15. Okt. d. J. in der Nordwest-Zeitung ein Bericht mit der Schlagzeile "Den alten Eichen droht der Kahlschlag" erschien, gerieten die Menschen der gesamten Region in helle Aufregung.

Der Leiter des zuständigen Forstamtes Neuenburg, Herr Forstdirektor Starke, widersprach dieser Meldung. Er führte mehrere interessierte Personengruppen in den Hasbruch und betonte, dass nicht mehr als 3 -4 schlagreife Eichen je ha und Jahr entnommen werden sollten.

Diese Darstellung beruhigte zwar zunächst die Gemüter, führte aber dazu, dass viele Besucher jetzt ihren Blick mehr als bisher auf den forstwirtschaftlichen Zustand des Waldes und auf die möglichen Auswirkungen der angekündigten Fällmaßnahmen richten.

Auch der Vorstand und Beirat unseres Vereins hat unter diesem Blickwinkel verschiedene Begehungen im Hasbruch unternommen, besonders im Osten des Waldes, wo schon zahlreiche Eichen zum Fällen markiert sind.

Unter Berücksichtigung des außergewöhnlich hohen und europaweit bekannten ökologischen Wertes dieses Waldes stimmt das Ergebnis dieser Besichtigungen sehr nachdenklich.

Bekanntlich ist der Hasbruch der größte "historisch alte Wald" des niedersächsischen Flachlandes. Er steht mit seiner ganzen Fläche unter Naturschutz. Der EU-Ministerrat stuft den Hasbruch neben acht weiteren Wäldern Nord-West-Europas ebenfalls als "historisch alten Wald" ein.

Der Hasbruch ist naturschutzbedeutsamer Lebensraum vieler hochspezialisierter Arten. 70 % des Waldes sind naturnahe Laubwaldgesellschaften wie Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald, bodensaurer Buchenwald usw., die auch weiterhin erhalten und gepflegt werden müssen.

Neben dem Eremiten, als europaweit zu schützende Käferart finden noch zahlreiche weitere bundesweit gefährdete Totholzkäferarten, Fledermausarten, niedersachsenweit gefährdete Brutvogelarten sowie viele gefährdete Flechten, Moose, Pilze, Farn- und Blütenpflanzen, Schmetterlinge und Amphibien dort ihren Lebensraum.

Nach dem niedersächsischen "LÖWE"-Programm (Langfristige Ökologische Waldentwicklung) sind solche Landesforsten nach ökologischen Gesichtspunkten zu bewirtschaften. Bei der Nutzung solcher Wälder sollen in vermehrtem Umfang und möglichst flächendeckend alte und starke Bäume in Gruppen oder Kleinflächen erhalten werden, um Lebensraum in allen Alters- und Zerfallsphasen zu schaffen.

Im Hinblick auf diese überragende ökologische Wertigkeit ist der Hasbruch unseres Erachtens in vielen Bereichen bereits degeneriert und bedarf zunächst der Sanierung bevor die ökonomische Nutzung gesteigert werden kann.

Zum Beispiel sind in weiten Teilen der 150- bis 180-jährigen Eichenbestände, statt der anzustrebenden 80 - 100 Eichen je ha nur noch 30 - 50, stellenweise nur noch 15 - 20 Eichen vorhanden. Infolgedessen breiten sich flächenhaft nicht erwünschte Pflanzen, wie Brombeere, Himbeere und andere aus und beeinträchtigen die Flora und Fauna des Waldbodens.

Allein die verringerte Anzahl der Eichen und die Zunahme von Buchen und anderen Baumarten führt zu einer erheblichen ökologischen Beeinträchtigung des Waldes, weil auf einer Eiche bis zu 600 verschiedene Arten, auf einer Buche 200 und auf einer Esche gar nur 80 Arten ihren Lebensraum finden.

Durch die geplante Entnahme von zielstarken Eichen (das sind Eichen von mindestens 70 cm Durchmesser), die hier ein Alter von ca. 150 - 180 Jahren haben, wird das Nachwachsen noch dickerer und älterer Eichen verhindert. Zum Überleben der wichtigen Totholzarten wie Käfer, Pilze, Moose, Flechten usw. werden aber dickere und ältere Eichen unbedingt benötigt. Schon jetzt fehlen außerhalb der Naturwaldgebiete Eichen der Altersstufen zwischen 200 bis 600 Jahren.

Auch die Entnahme von "nur" drei bis vier schlagreifen Eichen je ha und Jahr führt zur Ausdünnung der Bestände und nach einigen Jahren zur Zerstörung der ökologischen Nachhaltigkeit.

Hierzu eine kleine Vergleichsrechnung:
Unter der Annahme, dass die mit zielstarken Eichen bestandene Fläche im Hasbruch etwa 200 ha umfasst und jährlich von 10 % dieser Fläche nur drei schlagreife Eichen je ha entnommen werden, entstehen zahlreiche Kleinlichtungen von ca. 200 qm Größe. Zusammengefasst ergibt das aber jedes Jahr 1,2 ha und im Jahrzehnt also 12 ha Lichtungsfläche. Hier stellt sich die Frage, wie diese zahllosen Einzelflächen wieder ordnungsgemäß aufgeforstet werden können.

Die schattenunverträgliche Eiche lässt sich auf solch kleinen Lichtungen überhaupt nicht wieder ansiedeln.

Ein weiteres Rechenbeispiel zeigt die düstere Zukunft der alten Eichenbestände im Hasbruch auf:
Unter der Annahme, dass in den alten Beständen im Mittel nur noch 50 Eichen je ha enthalten sind, ergibt sich eine Gesamtzahl auf der insgesamt 200 ha großen Fläche von nur 10.000 Exemplaren, statt 20.000 im Normalbestand.

Völlig unerwähnt wird im Konzept der Forstverwaltung der zusätzliche Verlust an Eichen durch Insektenbefall und sonstige Umwelteinflüsse. Unseres Erachtens müssen diese Verluste bei der Einschlagplanung unbedingt berücksichtigt werden.

Wir sehen, auch die geplante Entnahme von nur 3 Eichen je ha und Jahr zerstört die alten Eichenbestände nachhaltig und beeinträchtigt die ökologische Zukunft des Hasbruchs auf Schwerste, zumal im gesamten Wald nur sehr geringe Anschlussaltersstufen vorhanden sind.

Das geschilderte Entnahmeverfahren mit Kleinstlichtungen lässt auch kein ordnungsgemäßes Wiederaufforsten der Eiche zu, ganz abgesehen von der Tatsache, dass dies wegen der leeren Haushaltskassen mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso unterbleiben würde. Selbst wenn größere Lichtungen für die Nachpflanzung von Eichen angelegt würden, könnten diese erst in 150 Jahren den heutigen ökologischen Wert des Bestandes ersetzen. Diese Kulturmaßnahme wäre auf den Flächen mit nur 15 - 20 Eichen je ha sogar aus ökonomischer und ökologischer Sicht sehr sinnvoll.

Zusammengefasst ist festzustellen:
Auch die jetzt von der Forstverwaltung propagierte Entnahme von 3 - 4 Eichen pro ha und Jahr bedeutet für den Wald und sein ökologisches Gesamtsystem ebenfalls eine schwere Beeinträchtigung, wenn auch auf Raten.

Die hier geschilderten Zusammenhänge sind natürlich auch der Forstverwaltung bekannt. Es befremdet uns sehr, dass sie die angeführten Probleme nicht offen anspricht und auch bei den vielen Führungen im Wald bis jetzt nicht am konkreten Beispiel gezeigt hat.

Es hat den Anschein als würden Politiker und Verwaltung z. Zt. nach dem Prinzip "..nach uns die Sintflut.." handeln. Nicht einmal mehr die eigenen Vorgaben im Hinblick auf eine nachhaltige Pflege des Hasbruchs werden beachtet.

Völlig unverständlich wird diese Haltung, wenn man bedenkt, dass alle Ebenen der Forstverwaltung und ihre Forschungseinrichtungen noch vor kurzem das ökologische Großprojekt "Neue Kulturlandschaft Hasbruch" unterstützt haben.

Man muss sich fragen: sind wir nur noch eine Konsumgesellschaft und zu dumm, zu bequem oder zu feige, die Zukunft für unsere Kinder und Enkel sorgfältiger zu gestalten?

Die "Gesellschaft der Freunde des Hasbruchs" wird jedoch alles tun, den zu befürchtenden Raubbau an unserem Hasbruch zu verhindern. Dabei kann sich die Gesellschaft auf die Unterstützung der meisten Menschen in der Region berufen.

Im äußersten Falle müssen wir Patenschaften für wichtige Bäume übernehmen und dem Land Niedersachsen den Reinerlös ausgewählter Eichen ersetzen. Damit könnte die ökologische Sonderstellung dieses Waldes gerettet werden.

Auch können wir praktische Hilfe bei Neuanpflanzungen leisten, die wir organisieren und durchführen können.

Aufgestellt vom Vorstand und Beirat
Gesellschaft der Freunde des Hasbruchs e.V.


gez. Erika Roselius
( 1. Vorsitzende )

gez. Gerd Timmermann
( 2. Vorsitzender )

gez. Martin Gerdes - Röben
( Beiratsmitglied )


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